Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

07.12.2014

Ni­ko­läu­se spie­len be­sinn­li­che Musik

Weih­nacht­li­che Düf­te weh­ten am Wo­chen­en­de über die Märk­te in Zeils­heim, Nied und Schwan­heim. Wir ha­ben uns um­ge­schaut an den Stän­den mit Kunst­hand­werk und Holz­spiel­zeug, Glüh­wein und sü­ßen Leckereien.

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Der Kin­der­chor der evan­ge­li­schen Ge­mein­de sang vor dem Ge­mein­de­haus in Zeils­heim Weih­nachts­lie­der.
(Foto: Maik Reuß)

Frank­fur­ter Wes­ten – Es duf­tet nach Kro­kant und Zu­cker am Stand der Gie­ße­ner Fa­mi­lie Küg­ler, der die Be­su­cher am Ein­gang zum Schwan­hei­mer Weih­nachts­markt be­grüßt. Die be­äu­gen die un­be­kann­ten Le­cke­rei­en noch et­was kri­ti­sch. „Ich ken­ne das, es schmeckt sehr le­cker und heißt in Tsche­chi­en Trdel­ník oder so ähn­lich”, er­mun­tert Ste­fan Ot­to die an­de­ren Be­su­cher. „Und die Un­garn nen­nen es Kür­tös­ka­lács”, weiß Mar­tin Küg­ler Es stammt aus Ru­mä­ni­en und heißt auf Deutsch „Baum­striezel”.

Das kreb­bel­ähn­li­che Ge­bäck ge­hör­te zu den neu­en Spe­zia­li­tä­ten auf dem Markt. Ein paar Me­ter wei­ter ver­such­ten sich Ma­ria Mar­ques und ih­re Freun­din­nen mit por­tu­gie­si­schen Krap­fen und Blät­ter­teig­tört­chen aus Lis­sa­bon. Auch das Kunst­hand­werk war reich­lich ver­tre­ten: Se­bas­ti­an Büch­ner aus der thü­rin­gi­schen Rhön ver­kauf­te Krei­sel, Holz­scha­len und Sand­uh­ren, An­ne­ro­se En­gel­bach hat­te klei­ne und gro­ße Krip­pen im Angebot.

Hei­ße Kar­tof­fel­puffer

„Selbst­ge­mach­tes liegt bei uns wei­ter­hin im Trend”, be­tont Wil­li Be­cker, Vor­sit­zen­der des Schwan­hei­mer Ver­eins­rings, der den Weih­nachts­markt aus­rich­tet. 90 von 96 Stand­plät­zen konn­ten in die­sem Jahr ver­mie­tet wer­den. Ver­gan­ge­nes Jahr wa­ren es nur 80 Plät­ze, denn bei vie­len Schwan­hei­mer Ver­ei­nen und Grup­pen fehl­te es an Frei­wil­li­gen. Dar­über konn­te die Ker­be­ge­sell­schaft Schwan­heim nicht kla­gen: „Wir ha­ben in­zwi­schen wie­der 15 Ker­be­bur­schen, von de­nen uns acht beim Ver­kauf von Kar­tof­fel­puf­fern und frisch an­ge­mach­tem Kräu­ter­quark un­ter­stüt­zen”, so Ker­be­vad­der Jür­gen Schwiglewski.

Wer, wie vie­le Schwan­hei­mer, bei ei­nem Weih­nachts­markt et­was völ­lig Neu­es an­bie­ten will, muss zu­nächst ei­ni­ges in­ves­tie­ren. „Wir wa­ren in Wien und ha­ben die Baum­strie­zel bei ei­nem Ab­ste­cher über die un­ga­ri­sche Gren­ze ken­nen­ge­lernt”, er­in­nert sich Mar­tin Küg­ler. Ei­ni­ge Me­ter wei­ter ver­kauf­ten Eli­sa­beth und Hel­ge Hom­burg hand­ge­stick­te Weih­nachts­deck­chen. Die Mus­ter und Mo­ti­ve ent­stam­men noch ei­ge­nen Ent­wür­fen. „An­fer­ti­gen las­sen wir die Deck­chen aus Kos­ten­grün­den in Chi­na von Be­trie­ben, die wir selbst aus­ge­sucht und ein­ge­wie­sen ha­ben”, er­klärt Hel­ge Homburg.

An­ders als bei pro­fes­sio­nel­len Ver­käu­fern geht es den Eh­ren­amt­li­chen um Spen­den für den gu­ten Zweck: Vie­le von ih­nen un­ter­stüt­zen auch die­ses Jahr wie­der die Früh­chen­sta­tion der Uni­kli­nik Frank­furt, die auf ih­rem Stand eben­so Selbst­ge­strick­tes an­bot. An­ne­ro­se En­gel­bach über­gibt ih­ren Er­lös an die Gold­stei­ner Dan­kes­ge­mein­de. Und die Hun­de­schu­le am Schwan­hei­mer Wald dach­te mit Hun­de­plätz­chen ei­ner Rüs­sels­hei­mer Bä­cke­rei auch an die Vier­beiner.

Krea­tiv und zu­dem be­sinn­lich ge­stal­te­te auch der Nie­der Ver­eins­ring sei­nen Weih­nachts­markt, den die Nid­da­schü­ler mit Rolf Zu­ckow­skis „Weih­nachts­bä­cke­rei” er­öff­ne­ten: Hier ver­such­ten sich 110 Kin­der und Er­wach­se­ne beim Ker­zen­fär­ben am Stand der evan­ge­li­schen Stadt­mis­sion Nied. Ein bun­ter Spaß mit Wachs, Far­be und Tief­gang: „Wich­tig ist uns na­tür­lich, dass Chris­tus das Licht der Welt in der Ad­vents­zeit ist”, be­tont Pas­tor Tho­mas Koschinski.

Hier tum­mel­ten sich 1200 Be­su­cher an 23 Stän­den, die seit zwölf Jah­ren die zen­tra­le La­ge in Alt-Nied ge­gen die hei­me­li­ge At­mo­sphä­re am Neu­markt in der Ei­sen­bah­ner­sied­lung ein­ge­tauscht ha­ben. „Das Ge­län­de eig­net sich bes­ser für Rund­läu­fe, ohne dass der Ver­kehr in die Que­re kommt”, er­klärt der Vor­sit­zen­de des Ver­eins­rings Hel­mut Groh­mann. Auf die­sem Markt sind nur Ver­ei­ne und Ein­zel­ver­käu­fer zu­ge­las­sen, die ih­ren Er­lös spen­den: So wie Ste­fa­nie Opp­li­ger und Chris­toph Schnei­der, die kürz­lich die Gast­stät­te „Al­te Schmie­de” über­nom­men ha­ben und das Tier­heim in Nied un­ter­stützen.

Ei­ne gan­ze Pa­let­te von selbst­ge­koch­ter Mar­me­la­de und Weih­nachts­kar­ten bis zu Ker­zen­stän­der aus Ke­ra­mik hat­te die Pa­no­ra­ma­schu­le zu bie­ten. „Es ist wich­tig, ver­schie­de­ne Ar­beits­tech­ni­ken zur Her­stel­lung zu ver­mit­teln”, sagt Da­nie­la Franz, Leh­rer­in an der För­der­schu­le für geis­ti­ge Ent­wick­lung. Ei­ne grö­ße­re Bü­cher­aus­wahl zur Nie­der Ge­schich­te gab es beim Hei­mat- und Ge­schichts­ver­ein, der Ver­ein West­kunst Nied zeig­te Ge­mäl­de und Fo­to­gra­fien von Nach­wuchs­ta­len­ten wie San­ja Alec­ko­vic und Brun­hil­de Fleischer.

Zwi­schen 15 Stän­den auf dem Platz vor der Stadt­hal­le in Zeils­heim war am spä­ten Nach­mit­tag kaum noch ein Durch­kom­men. Der Kin­der­chor der evan­ge­li­schen Ge­mein­de sang Lie­der aus ei­nem Mu­si­cal, der Ni­ko­laus schau­te vor­bei und die Höchs­ter Blech­blä­ser so­wie der MGV Ein­tracht stimm­ten weih­nacht­li­che Klän­ge an. Die Be­su­cher hör­ten zu, nipp­ten an hei­ßen Ge­trän­ken, deck­ten sich mit Plätz­chen und Hand­ge­mach­tem ein oder lie­ßen sich mit Ni­ko­laus­müt­ze am Stand der evan­ge­li­schen Ge­mein­de fo­to­gra­fie­ren. Die Bil­der konn­ten dann als Weih­nachts­gruß­kar­ten ver­sandt wer­den. „Der Er­lös ist für un­se­ren Kir­chen­chor”, er­klär­te Felix Meu­rer vom Kir­chen­vorstand.

Feu­er­zan­gen­bowle

Auch die Frank­fur­ter Kar­ne­val­ge­sell­schaft „Die Eu­len” aus Born­heim war zu Gast – kom­men die meis­ten Mit­glie­der der Kin­der­tanz­grup­pe doch aus Zeils­heim. „Wir trai­nie­ren auch hier und en­ga­gie­ren uns ger­ne im Stadt­teil”, sag­te der Vor­sit­zen­de Axel Heil­mann. An den Stän­den der Ver­ei­ne tra­fen sich die Mit­glie­der, beim „Ver­ein zur Wah­rung der Feu­er­zan­gen­bow­len­tra­di­tion” be­wun­der­ten sie den bren­nen­den Zu­cker­hut. „Wir wol­len dem bil­li­gen Mas­sen-Glüh­wein et­was ent­ge­gen­set­zen”, er­klär­te Ste­fan Schnei­der aus Zeils­heim. Der VfL Zeils­heim, die Frei­wil­li­ge Feu­er­wehr, die Klein­tier­züch­ter und die freie evan­ge­li­sche Ge­mein­de wa­ren eben­falls mit von der Partie.

In der Stadt­hal­le hat­te sich der Krea­tiv­markt aus­ge­brei­tet. An 20 Stän­den ver­kauf­ten dort die Zeis­hei­mer selbst ge­bas­tel­te Klei­nig­kei­ten. Für Kin­der gab es vie­le Ge­le­gen­hei­ten, Bas­tel­ar­ten aus­zu­pro­bie­ren, vor al­lem Va­ri­an­ten des Ma­lens von der Holz­brenn­ma­le­rei über das Be­ma­len von Gips­fi­gu­ren und Keil­rah­men bis hin zur Ebru-Pa­pier­herstellung.

(got, hno)

Quelle:
Höchster Kreisblatt