Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

11.06.2016

Dunk­le Wol­ken überm Frosch­brun­nen­fest

Der Ver­eins­ring sieht das größ­te Fest im Stadt­teil akut ge­fähr­det: Ge­neh­mi­gungs-Auf­la­gen neh­men Überhand.

Von Alexandra Fliet

Die 33. Auf­lag­e des Frosch­brun­nen­fests in Zeils­heim wur­de durch die Sor­ge um die stei­gen­den Kos­ten und ei­nem mög­li­chen Aus der tra­di­tions­rei­chen Ver­an­stal­tung ge­trübt. Grund hier­für sind die im­mer hö­her wer­den­den Auf­la­gen, die von­sei­ten der Stadt auch an die Or­ga­ni­sa­to­ren klei­ne­rer Stra­ßen­fes­te ge­macht werden.

Zeils­heim. Claus Thrun, Vor­sit­zen­der des Ver­eins­rings Zeils­heim, sieht Schwarz für die Zu­kunft des Frosch­brun­nen­fes­tes. Der tra­di­tions­rei­chen Ver­an­stal­tung, die am Sams­tag be­reits zum 33. Mal rund um den na­mens­ge­ben­den Brun­nen an der Welsch­gra­ben­stra­ße auf die Bei­ne ge­stellt wur­de, droht viel­leicht das Aus. Grund sind die städ­ti­schen Auf­la­gen, die auch klei­ne­re Stra­ßen­fes­te wie das in Zeils­heim er­fül­len müs­sen. Und die Auf­la­gen sind mit Kos­ten ver­bun­den, die auf die be­tei­lig­ten Ver­ei­ne um­ge­legt wer­den müs­sen. „Die Ver­ei­ne kön­nen hö­he­re Kos­ten nur schwer stem­men“, weiß Thrun.

Wie­der­keh­ren­de Kos­ten

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Ju­li­sa (3) hat auf der Rol­len­rut­sche ei­nen Rie­sen­spaß. Die Spiel­an­ge­bo­te des Aben­teu­er­spiel­plat­zes Rie­der­wald ge­hö­ren zu den gro­ßen At­trak­tio­nen des Frosch­brun­nen­fes­tes, das vom Ver­eins­ring Zeils­heim aus­ge­rich­tet wird.
(Foto: Maik Reuß)

Als Bei­spiel nennt er et­wa die ge­for­der­te Über­prü­fung der Strom­ver­tei­ler und Haupt­ka­bel, die al­lein schon mit rund 300 Eu­ro zu Bu­che schla­ge. „Für je­de Ver­än­de­rung, für je­den Stan­dort­wech­sel muss ei­ne sol­che Über­prü­fung er­neut ge­macht wer­den. Das be­deu­tet, bei­spiels­weise beim Weih­nachts­markt fal­len die­se Kos­ten noch ein­mal an.“ Er wun­de­re sich da­her nicht, dass selbst die Ver­an­stal­ter des Leip­zi­ger Stra­ßen­fes­tes – un­ter an­de­rem we­gen der Auf­la­gen – in die­sem Jahr pas­sen, weil ih­nen der Auf­wand zu hoch ist.

„Die Kos­ten wer­den nach oben ge­trie­ben, doch wer soll das be­zah­len? Al­les muss ge­neh­migt wer­den, die Toi­let­ten, die Mu­sik, die Tech­nik. Es fal­len zu­dem Gema-Ge­büh­ren an. Wenn das so wei­ter­geht, dann müs­sen Stra­ßen­fes­te wie die­ses bald ein­ge­stellt wer­den, weil sie fi­nan­ziell nicht mehr trag­bar sind“, schimpft der Zeils­hei­mer Ver­eins­ring­vor­sit­zen­de. Vie­le Kos­ten sei­en den Bür­gern gar nicht prä­sent: Thrun be­zif­fert die Sum­me, die für das Frosch­brun­nen­fest auf­ge­wen­det wer­de, mit gut 2000 Eu­ro. „Der Be­trag kommt über die Stand­ge­büh­ren, die die be­tei­lig­ten Ver­ei­ne zah­len, nicht wie­der voll­stän­dig rein.“ Die­ses Mal ha­ben 16 Zeils­hei­mer Ver­ei­ne mit­ge­macht; ins­ge­samt 49 Mit­glie­der hat der Ver­eins­ring Zeils­heim aktuell.

Kom­mu­ni­ka­tion för­dern

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Mi­cha­el und Brit­ta Ochs ha­ben San­dy und Frank Leh­na ge­trof­fen. Das Ehe­paar Ochs ist neu in Zeils­heim – und freut sich über den Kontakt.
(Foto: Maik Reuß)

Ei­nen Aus­fall oder gar ein En­de des tra­di­tions­rei­chen Frosch­brun­nen­fests möch­te Thrun sich gar nicht erst aus­ma­len. Denn mit dem Fest wer­de die Ge­mein­schaft im Stadt­teil ge­stärkt, Men­schen kön­nen sich be­geg­nen. Au­ßer­dem sei es für die Ver­ei­ne ei­ne Mög­lich­keit, sich und ih­re Ar­beit ei­nem grö­ße­ren Pub­li­kum vor­zu­stel­len. „Die Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen den Men­schen wird durch Fes­te wie die­ses ge­för­dert. Das ist wich­tig“, be­tont Thrun wei­ter. „Ich se­he die ak­tu­el­le Ent­wick­lung wirk­lich sehr kritisch.“

Trotz der Sor­gen des Ver­an­stal­ters las­sen sich die Be­su­cher des Frosch­brun­nen­fests ih­re gu­te Lau­ne nicht ver­der­ben. Schließ­lich hat zu­min­dest der Wet­ter­gott mit den Or­ga­ni­sa­to­ren ein Ein­se­hen. Die an­ge­neh­men Tem­pe­ra­tu­ren lo­cken Men­schen in Fei­er­lau­ne an, Alt­ein­ge­ses­se­ne wie neu Zu­gezogene.

Brit­ta und Mi­cha­el Ochs sind noch neu in Zeils­heim, ihr Kind be­sucht die Kät­he-Koll­witz-Schu­le. Über die Schu­le ha­ben sie auch San­dy und Frank Leh­na ken­nen­ge­lernt. Die vier ha­ben sich auf dem Fest ge­trof­fen. „Ich ha­be schon vor­her von dem Frosch­brun­nen­fest ge­hört und fin­de es sehr schön hier“, sagt Brit­ta Ochs, die zum ers­ten Mal auf der Ver­an­stal­tung ist. „So ein Fest be­rei­chert den Stadt­teil, man kommt ins Ge­spräch. Das ist gut, vor al­lem, wenn man wie wir erst vor kur­zem nach Zeils­heim ge­zo­gen ist. So lernt man die Men­schen kennen.“

Für die jüngs­ten Be­su­cher gibt’s im hin­te­ren Teil so al­ler­hand zum Spie­len und Aus­to­ben. Dort näm­lich hat der Aben­teu­er­spiel­platz Rie­der­wald sei­ne Be­we­gungs­an­ge­bo­te auf­ge­baut. Auf den Hüpf­kis­sen sprin­gen be­reits vie­le Mäd­chen und Jun­gen her­um, die et­was äl­te­ren Kin­der pro­bie­ren der­weil an den auf­ge­stell­ten Ge­schick­lich­keits­spie­len. Ein Ren­ner ist das Kis­ten­rut­schen. Ju­li­sa (3) kann hier­von gar nicht ge­nug be­kom­men. Ih­re Ma­ma De­lia er­füllt der Klei­nen den Wunsch und lässt sie noch ein zwei­tes Mal die Kis­ten-Rut­sche aus­pro­bie­ren. In un­mit­tel­ba­rer Nä­he macht die aus Rod­gau stam­men­de Band „Soulution“ ei­nen ers­ten Sound­check. Gleich ge­gen­über hat Mar­tin Mül­ler sei­nen Stand auf­ge­baut. Er ist be­reits im ach­ten Jahr Quar­tiers­ma­na­ger des In­ter­na­tio­na­len Bun­des Frank­furt in der Sied­lung Tau­nus­blick. Das Quar­tiers­ma­na­ge­ment fi­nan­ziert auch das Spiele­an­ge­bot auf dem Frosch­brun­nen­fest. Mül­ler stellt zu die­sem An­lass au­ßer­dem die Ar­beit des Quar­tiers­ma­na­ge­ments vor und knüpft neue Kon­tak­te zu Zeilsheimern.

Bes­ser ver­knüp­fen

„Auf sol­chen Fes­ten lernt man die Men­schen im Stadt­teil ken­nen. Ich ha­be ge­rade mit ei­ner Schnei­de­rin im Ru­he­stand ge­spro­chen, die sich als Kurs­lei­te­rin un­se­rer Näh­kurs-An­ge­bote en­ga­gie­ren möch­te“, er­zählt Mül­ler. „Wir wur­den be­reits mehr­fach an­ge­spro­chen, ob wir un­se­re An­ge­bo­te auch über die Sied­lung Tau­nus­blick hin­aus er­wei­tern möch­ten.“ So ge­be es in der Kät­he-Koll­witz-Schu­le mit­tler­wei­le Deutsch­kur­se für Mi­gran­ten, die vom Quar­tiers­ma­na­ge­ment or­ga­ni­siert wer­den. We­gen des mus­li­mi­schen Fas­ten­mo­nats Ra­ma­dan be­tei­li­gen sich al­ler­dings in die­sem Jahr die Frau­en des „Frau­en­früh­stücks“ mit ih­ren le­cke­ren Spe­zia­li­tä­ten nicht am Frosch­brun­nen­fest. „Sie möch­ten aber im nächs­ten Jahr wie­der mit da­bei sein“, weiß Mül­ler. So ist das Frosch­brun­nen­fest auch ein Ort, an dem In­te­gra­tion im Stadt­teil prak­tisch ge­lebt wird. Um­so wich­ti­ger ist es da­her, dass die Ver­an­stal­ter Hil­fe bei der Be­wäl­ti­gung der neu­en Auf­la­gen be­kommen.

Quelle:
Höchster Kreisblatt