Frankfurt am Main-Zeilsheim

Geschichte

Zeit des Dritten Reiches

1933:

Am 28. Januar tritt die Re­gie­rung von Schleicher wegen fehlender Unter­stüt­zung im Reichs­tag zu­rück. Be­reits am 22. Januar trafen sich der ehe­ma­lige Reichs­kanzler Franz von Papen und der Sohn des Reichs­prä­si­den­ten, Oskar von Hinden­burg, mit Hitler, um über die Bildung einer Koa­li­tion des „Natio­nalen Zu­sammen­schlusses” zu ver­handeln. Oskar von Hinden­burg kann für das Vor­haben ge­wonnen werden, und er trägt auch mit die Ver­ant­wor­tung da­für, dass Reichs­prä­si­dent Paul von Hinden­burg über­zeugt werden kann, Hitler trotz seiner Ab­nei­gungen zum Reichs­kanzler zu er­nennen. Am 30. Januar, der von den Natio­nal­sozia­listen als „Tag der Macht­er­grei­fung” ge­feiert wird, ist es Hitler nach vielen zu­vor ge­schei­ter­ten Ver­suchen doch noch ge­lungen, sich die Macht zu er­schleichen.

Damit war das Ende der Weimarer Re­pub­lik be­sie­gelt. Die Gründe für das Scheitern der ersten Deut­schen Re­pub­lik lagen dar­in be­gründet, dass der Staat selbst eigent­lich nur ein Not­be­helf aus der schwierigen Situ­ation von 1918 war, aber auch, weil es um die wirt­schaft­liche Lage des Staates von Be­ginn an – durch die viel zu hohen Re­pa­ra­tions­zahlungen – äußerst schlecht be­stellt war. Be­sonders die Be­setzung der Rhein­lande und der Gewalt­frieden von Ver­sailles stärkten das Natio­nal­ge­fühl der Deut­schen enorm und sorgten dafür, dass die Politiker, die diese Re­pres­sa­lien hin­nahmen, beim Volk kein be­sonders hohes An­sehen ge­nossen. Den Bürgern fehlte dar­über hin­aus das re­pub­li­ka­ni­sche Be­wusst­sein und die poli­ti­sche Er­fahrung. Die Reichs­wehr bildete einen „Staat im Staate” und die demo­kra­tischen Parteien waren so zer­stritten, dass es für die NSDAP – oft­mals in Zu­sammen­arbeit mit der KPD – ein leichtes war jede kon­ti­nu­ier­liche par­la­men­ta­rische Ar­beit zu stören.

Hitlers Kabi­nett setzt sich nur aus wenigen Natio­nal­sozia­listen und aus Mit­gliedern der DNVP zu­sammen; Vize­kanzler ist Franz von Papen. Hinden­burg und die DNVP glauben, sie könnten die NSDAP in dieser Koa­li­tion an die Leine legen und der Natio­nal­sozia­lismus werde sich an der Macht bald tot­laufen. Welch eine Fehl­ein­schätzung! Hitler baut statt­dessen seine Macht mit Hilfe von Not­stands­ver­ord­nungen weiter aus. Be­reits am 4. Februar werden mit der Ver­ord­nung „zum Schutz des deut­schen Volkes” ver­fassungs­mäßige Grund­rechte außer Kraft ge­setzt, und als am 27. Februar der Reichs­tag brennt, wird am 28. Februar sowohl der Aus­nahme­zu­stand ver­hängt als auch – mit der Ver­ord­nung „zum Schutz von Volk und Staat” – so gut wie alle ver­blei­ben­den Grund­rechte auf­ge­hoben. Damit be­ginnt die Ver­folgung poli­tischer Gegner, vor allem aus dem Lager der Linken.

Bei der Wahl zum Reichs­tag am 6. März kann Hitler mit nur 43,9 % der Stimmen zwar keine abso­lute Mehr­heit im Parla­ment er­ringen, doch ver­fügt er mit den Sitzen der mit ihm koa­lie­ren­den DNVP über 52,9 % der Reichs­tags­mandate. Diese Wahl­schlappe kann Hitler je­doch be­reits am 23. März mit dem „Gesetz zur Be­he­bung der Not von Volk und Reich”, dem so­genann­ten „Er­mäch­ti­gungs­gesetz”, das ihm un­ein­ge­schränk­te Hand­lungs­voll­machten garan­tiert wett­machen. Das schlimmste dar­an ist, dass mit Aus­nahme der KPD und SPD alle Parteien dem Gesetz zu­stimmen und sich da­mit selbst zu Sta­tis­ten auf der poli­tischen Bühne de­gradieren.

Hitler weitet seine Macht weiter aus, in­dem er ver­sucht, das ge­samte Reich unter die Kon­trolle der NSDAP zu bringen. Durch das „Vor­läu­fige Gesetz zur Gleich­schaltung der Länder mit dem Reich” werden vom 31. März alle Landes­parla­mente ent­sprechend der Stimmen­ver­hält­nisse der Reichs­tags­wahl um­ge­bildet und mit dem „Gesetz zur Gleich­schaltung der Länder mit dem Reich” werden in den Ländern Reichs­statt­halter ein­ge­setzt, die die Länder­re­gie­rungen er­nennen. Mit dem eben­falls am 4. April er­lassenen „Gesetz zur Wieder­her­stellung des Berufs­beamten­tums” geht die ge­samte gesetz­gebende Gewalt von der Legis­lativen auf die Exe­ku­tive über. Da­mit ist fast der ge­samte födera­lis­tische Staats­auf­bau der Weimaer Re­pub­lik zer­schlagen. Die ge­samte Gleich­schal­tungs­aktion wird 1934 mit dem „Gesetz über den Neu­auf­bau des Reiches”, nach dessen Maß­gabe am 30. Januar 1934 die Länder­par­la­mente und am 14. Februar 1934 der Reichs­rat auf­ge­löst werden, ab­ge­schlossen.

Am 2. Mai werden alle Gewerk­schaften auf­ge­löst, und nach der Be­schlag­nahmung aller Gewerk­schafts­ver­mögen die „Deut­sche Arbeits­front” ge­gründet (24.10.1934). Im Mai und Juli werden KPD und SPD von der Re­gie­rung ver­boten, und alle anderen Parteien außer der NSDAP lösen sich auf. Mit dem „Gesetz gegen die Neu­bildung von Parteien” vom 14. Juli und dem am 1. Dezember er­lassenen „Gesetz zur Siche­rung der Ein­heit von Partei und Staat” wird die NSDAP Staats­partei und das Deut­sche Reich ein Ein­parteien­staat.

Die Katho­lische Kirche ver­sucht zu­nächst, mit den neuen Macht­habern ins Reine zu kommen. Kardinal­staats­sekre­tär Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., und der deut­sche Vize­kanzler Franz von Papen unter­zeichnen am 20. Juli im Vatikan das Reichs­kon­kordat, das den Katho­liken – zu­mindest formal – ihre Rechte zu­sichert. Je­doch wurde dieses Kon­kordat in der späteren Praxis des Kirchen­kampfes prak­tisch wert­los, weil Hitler sich nicht an seine Grund­sätze hielt. Wie er Reli­gionen und Kirchen ein­schätzt zeigt Hitler be­reits am 6. Mai in einer Gesprächs­notiz recht deutlich:

„Mit den Kon­fessi­onen, ob nun diese oder jene: das ist alles gleich. Das hat keine Zukunft mehr. Für die Deut­schen je­den­falls nicht. Der Faschis­mus mag in Gottes Namen seinen Frieden mit der Kirche machen. Ich werde das auch tun. Warum nicht? Das wird mich nicht ab­halten, mit Stumpf und Stiel, mit allen seinen Wurzeln und Fasern das Christen­tum in Deutsch­land aus­zu­rotten. [...] Eine deut­sche Kirche, ein deut­sches Christen­tum ist Krampf. Man ist entweder Christ oder Deut­scher. Beides kann man nicht sein.”

Ob­wohl die Natio­nal­sozia­listen bei den letzten freien Wahlen deut­lich an Stimmen ge­wonnen hatten, können sie in Zeils­heim nicht richtig Fuß fassen. Viele Bewohner der Kolonie sind Sozia­listen oder prak­ti­zie­rende Christen, und die Alt­ein­ge­sessenen, tradi­tionell katho­lisch, finden Rücken­deckung bei Pfarrer Wilhelm Ruders­dorf. Am ehesten be­kommen die Natio­nal­sozia­listen Zu­spruch von den un­kriti­schen Arbeit­nehmern, „völkisch ge­sinn­ten” Land­wirten oder um ihre Existenz ringenden kleinen Gewerbe­treibenden.

Inner­halb der natio­nal­sozia­lis­tischen Volks­gemein­schaft gilt die Jugend als „Garant der Zukunft”. Alles läuft dar­auf hin­aus, die Kinder und Jugend­lichen zu er­fassen und anderen Er­ziehungs­ein­flüssen zu ent­ziehen. Die Garan­tie da­für bilden Jung­volk, Hitler­jugend und BDM (Bund Deut­scher Mädel), für die ab 1936 die Zwangs­mit­glied­schaft gilt, und die Schule, in der jungen Menschen „körper­lich, geistig und sitt­lich im Geiste des Natio­nal­sozia­lismus” her­an­ge­bildet werden. Lehr­personen, deren Gegner­schaft be­kannt ist, werden vom Dienst sus­pen­diert, wie bei­spiels­weise der Rektor der Zeils­heimer Schule, Heinz Kromer, der als Ab­ge­ord­neter einer demo­kra­tischen Partei seine staats­bürger­lichen Rechte wahr­ge­nommen hatte. Mit ihm zu­sammen werden am 3. Juli 1933 auch die Lehrer Adolf Branden­burger und Paul Schmitt aus dem Staats­dienst entlassen.

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Alter Friedhof
Er wurde seit 1912 nicht mehr genutzt und 1941 geschlossen und eingeebnet. 1951 erfolgte die Umgestaltung zum Kinderspielplatz, wobei die alte Friedhofskapelle erhalten wurde.
(Aufnahme 1931)

1934:

Um einer sozia­lis­tischen „zweiten Re­vo­lu­tion” zu­vor­zu­kommen, nutzt Hitler am 30. Juni, als der Plan Ernst Röhms (Stabs­chef der SA) be­kannt wird, die SA und Reichs­wehr zu einer Miliz zu ver­schmelzen, die Gunst der Stunde, um poli­tische Gegner aus den eigenen und anderen Reihen zu be­seitigen. Dieser so­ge­nannte „Röhm-Putsch” endet in der größten inner­partei­lichen Säube­rungs­aktion und kostet auch viele Gegner außer­halb der NSDAP, dar­unter General Kurt von Schleicher, Hitlers Vor­gänger als Reichs­kanzler und einer seiner Gegner, das Leben.

Als am 2. August Reichs­prä­si­dent Paul von Hinden­burg stirbt, über­nimmt Hitler das Amt des Reichs­prä­si­den­ten und nennt sich fort­an „Führer und Reichs­kanzler”. Da­mit ist Hitler jetzt un­ein­ge­schränk­ter Macht­haber im Dritten Reich. Am gleichen Tag noch lässt Hitler die Reichs­wehr auf seine Person ver­eidigen, wo­durch er die Reichs­wehr zum abso­luten Macht­instru­ment seiner Politik macht. Später wird diese Ver­eidi­gung den Soldaten als Be­gründung für ihren abso­luten Gehor­sam dienen; be­sonders bei den Ver­brechen an der Ostfront.

1935:

Mit der Volks­ab­stimmung vom 17. Januar wird das Saar­land in das Reichs­ge­biet zu­rück ein­ge­gliedert. Da­mit be­ginnt Hitlers „Heim ins Reich”-Politik.

Als am 15. Sep­tem­ber die „Nürn­berger Ge­setze” er­lassen werden, zeigt Hitler auch, wie er zu anderen Völkern steht, besonders zu den Juden, die mit diesen Ge­setzen voll­stän­dig ent­rech­tet werden. Alle Deut­schen müssen einen „Arier-Nach­weis” liefern, um zu be­legen, dass sie auch wirk­lich deut­scher Ab­stammung sind und zur Volks­ge­mein­schaft gehören.

Nach seiner totalen Macht­über­nahme be­ginnt Hitler als­bald da­mit, gegen seine poli­tischen Gegner vor­zu­gehen. Neben den Juden und Sozia­listen ge­hören auch die ak­tiven Christen dazu. In Zeils­heim, einem Dorf mit leben­diger kirch­licher Tra­di­tion, be­kommen die christ­lichen Ge­mein­den dies auch aus­giebig zu spüren. Sind es am An­fang nur kleine Nadel­stiche, so folgen bald amt­liche Be­schrän­kungen oder Ver­bote. So werden zum Bei­spiel die kirch­lichen Büche­reien auf­ge­löst, die christ­liche Jugend­arbeit unter­sagt, kirch­liche Feier­tage ab­ge­schafft und der Reli­gions­unter­richt in den Schulen ver­boten. Der Pfarrer und der Kaplan der katho­lischen Ge­mein­de, die zu diesen Maß­nahmen nicht schweigen, müssen sich Ver­höre durch die Gestapo (Geheime Staats­polizei) ge­fallen lassen, und der Kaplan wird so­gar ins Ge­fäng­nis ge­worfen. Viele Gläubige packt die Furcht, der Gottes­dienst­besuch lässt nach und die Kirchen­aus­tritte häufen sich.

1936:

Hitler setzt im Jahre 1936 seine „Heim ins Reich”-Politik fort. Am 7. März lässt er die nach dem Ver­sailler Ver­trag ent­mili­ta­ri­sier­ten Rhein­lande von der Wehr­macht be­set­zen. Damit be­ginnen die Ver­let­zun­gen der Ver­träge, die von den Re­gie­run­gen der Weimaer Re­pub­lik mit den Nach­bar­staaten ver­handelt wurden und nun durch neue Ver­träge, die Hitlers Politik be­güns­tigen er­setzt werden.

Am 24. Dezember, recht­zeitig zu Weih­nach­ten, stellt Prof. Hein­rich Dieck­mann die Innen­aus­malung des An­baus der katho­lischen Pfarr­kirche mit groß­flächigen Fresken zum Thema „Der Auf­bau des Reiches Gottes” fertig. Außer­dem hat Prof. Dieck­mann zwei Fenster mit den vier Evan­ge­listen ge­stal­tet, die im Chor auf beiden Seiten des Hoch­altars ein­ge­baut worden sind.

1937:

Hitlers Kirchen­politik scheitert. Trotz des Reichs­kon­kordats wächst der Wider­stand der katho­lischen Kirche und Papst Pius XI. be­zieht mit der Enzyklika „Mit brennen­der Sorge” ein­deutig Posi­tion gegen Hitler:

„Wer in pan­theis­tischer Ver­schwommen­heit Gott mit dem Welt­all gleich­setzt, Gott in der Welt ver­welt­lich und die Welt in Gott ver­gött­licht, ge­hört nicht zu den Gott­gläu­bigen. Wer nach an­geb­lich alt­ger­ma­nisch-vor­christ­licher Vor­stel­lung das düstere und un­persön­liche Schick­sal an die Stelle Gottes rückt, leugnet Gottes Weis­heit und Vor­sehung. [...] Ein solcher kann nicht be­an­spruchen, zu den Gott­gläu­bi­gen ge­rechnet zu werden. [...]”

1937 / 1938:

In einer Zeit, als die wirt­schaft­liche Not und Wohnungs­mangel den All­tag prägen, ent­stehen mit Unter­stüt­zung der Hoechst AG auf 800 bis 1000 m² großen Par­zellen ent­lang des Welsch­grabens 30 kleine Sied­lungs­häuser. Die Mit­glieder der Sied­lungs­ge­mein­schaft „Am Steinrutsch” ar­beiten weit­gehend in Selbst­hilfe von früh bis spät an Haus und Garten. Um dem Leben ein klein wenig Glanz zu geben, ist un­end­lich viel Mühe not­wendig. Zu den Bau­kosten von 5.500 Reichs­mark muss jeder Sied­ler 1.700 Mark auf­bringen, was bei einem Wochen­ver­dienst von nur 30 Reichs­mark kein ge­ringer Be­trag ist.

Die Sied­ler er­halten dar­über hin­aus die Auf­lage, Klein­tiere zu halten und einen großen Nutz­garten zu be­stellen, eine Auf­lage, die sich in den schlechten Jahren des Krieges und der Nach­kriegs­zeit als Vor­teil er­weisen soll, da man prak­tisch Selbst­ver­sorger ist.

In der gleichen Zeit ent­stehen auch die Häuser im Hahn­berg­weg, Butz­nickel­weg, Rassel­weg, Geiers­kopf­weg und der süd­lichen Seite der Bechten­wald­straße.

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Bauarbeiten bei der Errichtung der Siedlung „Am Steinrutsch” 1937

1938:

Am 2. Ok­to­ber fei­ert die katho­li­sche Pfarr­ge­mein­de mit ei­nem gro­ßen Fest­got­tes­dienst das 50-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um der Er­rich­tung ei­ner ei­ge­nen Pfar­rei. Grö­ßere Fei­er­lich­kei­ten sind auf Grund der po­li­ti­schen La­ge lei­der nicht möglich.

Am 12. März mar­schie­ren deut­sche Trup­pen in Ös­ter­reich ein, und am 13. März wird of­fi­zi­ell der An­schluss Ös­ter­reichs als Ost­mark an das Deut­sche Reich voll­zo­gen. Da­mit hat Hit­ler nach dem Ein­marsch in den ent­mi­li­ta­ri­sier­ten Rhein­lan­den be­reits zum zwei­ten Mal ge­gen die Be­din­gun­gen des Ver­tra­ges von Ver­sailles ver­sto­ßen, doch die euro­pä­ischen Mäch­te Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich se­hen auch die­ses Mal wie­der nur zu und ver­fol­gen wei­ter­hin ihre „Ap­pease­ment-Po­li­tik”. Mit der Volks­ab­stim­mung vom 10. April, bei der sich 99% der ös­ter­rei­chi­schen Be­völ­ke­rung für den An­schluss aus­spre­chen, wird die Be­set­zung rück­wir­kend für rech­tens er­klärt.

Doch auch da­mit ist Hit­ler noch nicht am En­de sei­ner „Heim ins Reich”-Po­li­tik an­ge­langt. Mit Hil­fe der Pres­se und des Rund­funks pro­vo­ziert Hit­ler eine Kri­se um die deut­sche Be­völ­ke­rung im Su­de­ten­land, die im Mün­che­ner Ab­kom­men vom 29. Sep­tem­ber gip­felt, in dem Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich ihre Zu­stim­mung zum An­schluss des Su­de­ten­lan­des an das Deut­sche Reich ge­ben. Mit dem Ein­len­ken der euro­pä­i­schen Mäch­te wird be­dau­er­li­cher­wei­se ein ers­ter Um­sturz­ver­such sei­tens ei­ner Ver­schwö­rer­grup­pe um die Of­fi­zie­re Lud­wig Beck, Walt­her von Brau­chitsch, Wil­helm Ca­na­ris, Franz Hal­der, Hans Os­ter, Carl-Hein­rich von Stülp­nagel und Er­win von Witz­leben so­wie ver­schie­de­ner Zi­vil­be­am­ter wie Hans von Doh­na­nyi, Carl Fried­rich Goer­de­ler, Wolf Hein­rich Graf von Hell­dorf und Fritz-Diet­lof Graf von der Schu­len­burg ver­ei­telt (Sep­tem­ber­ver­schwö­rung), die Hit­ler im Fal­le ei­nes dro­hen­den Krie­ges mit Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich ab­set­zen wollten.

Trotz Hit­lers Be­teu­e­rung, der An­schluss des Su­de­ten­lan­des sei sei­ne letz­te For­de­rung, gibt er am 21. Ok­to­ber den Ge­heim­be­fehl zur „Er­le­di­gung der Rest-Tsche­chei” her­aus und führt da­mit sei­ne ag­gres­si­ve Po­li­tik weiter.

In­nen­po­li­tisch führt Hit­ler sein Ziel der Ver­fol­gung po­li­ti­scher Fein­de, be­son­ders der Ju­den wei­ter. Auf Grund der groß­an­ge­leg­ten Hetz­kam­pag­ne durch den Reichs­mi­nis­ter für Pro­pa­gan­da und Volks­auf­klä­rung, Jo­seph Goeb­bels, kommt es in der Nacht vom 9. / 10. No­vem­ber in ganz Deutsch­land zu or­ga­ni­sier­ten Aus­schrei­tun­gen ge­gen die jü­di­sche Be­völ­ke­rung. Sy­na­go­gen wer­den in Brand ge­steckt und jü­di­sche Ge­schäf­te und Woh­nun­gen ge­plün­dert und ver­wüs­tet. Die­se Pro­grom­nacht, von den Na­ti­o­nal­so­zi­a­lis­ten als „Reichs­kris­tall­nacht” be­zeich­net, stellt den Hö­he­punkt von Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­bre­chen ge­gen die Ju­den vor dem Zwei­ten Welt­krieg dar. Zu Zei­ten des Krie­ges gip­felt das Gan­ze in der Kon­fe­renz von Wann­see am 20. Ja­nu­ar 1942, auf der die plan­mä­ßige Mas­sen­ver­nich­tung, die so­ge­nann­te „End­lö­sung der Ju­den­frage” be­schlos­sen wird, wo­rauf in den fol­gen­den Jah­ren mehr als 6 Mio. Ju­den in Ver­nich­tungs­la­gern wie Ausch­witz, Treb­lin­ka oder The­re­si­en­stadt ihr Leben las­sen müssen.

1939:

Ab 19. Ja­nu­ar wer­den al­le in nicht­kirch­li­chen Räu­men statt­fin­den Ver­an­stal­tun­gen re­li­gi­ö­ser Ver­ei­ne an­mel­de- und ge­büh­ren­pflich­tig. Da­mit ver­sucht die Par­tei, das christ­li­che Le­ben wei­ter­hin in klei­nen, aber doch ent­schei­den­den Schrit­ten zu er­schwe­ren und letzt­end­lich aus­zu­rotten.

Hit­ler nutzt im März, als der Na­ti­o­na­li­tä­ten­streit zwi­schen Tsche­chen und Slo­wa­ken ei­nen neu­en Hö­he­punkt er­reicht hat, die Gunst der Stun­de und lässt die Wehr­macht am 15. März ent­spre­chend dem Ge­heim­be­fehl vom 21. Ok­to­ber 1938 in der Tsche­cho­slo­wa­kei ein­mar­schie­ren. Am dar­auf­fol­gen­den Tag wird das „Reichs­pro­tek­to­rat Böh­men und Mäh­ren” er­rich­tet, und die Slo­wa­kei wird ein selb­stän­di­ger Staat un­ter dem Schutz des Deut­schen Rei­ches. Wie­der ein­mal se­hen die Groß­mäch­te nur zu, an­statt zu han­deln. Al­ler­dings ge­ben sie, als am 23. März die Ver­hand­lun­gen zwi­schen Po­len und Deutsch­land über ei­ne ex­ter­ri­to­ri­a­le Ver­bin­dung des Rei­ches mit Ost­preu­ßen und den An­schluss Dan­zigs schei­tern, Ga­ran­ti­en für die Un­ab­hän­gig­keit Po­lens ab, weil sie be­fürch­ten, dass Po­len Hit­lers nächs­tes Ziel sein könn­te. Zu­vor er­reicht Hit­ler je­doch am 23. März den An­schluss des Me­mel­ge­bie­tes an das Reich.

Da­mit fehlt Hit­ler bei sei­ner „Heim ins Reich”-Po­li­tik nur noch der An­schluss der an Po­len ge­fal­le­nen Ost­ge­bie­te. Um auch die­sen letz­ten Schritt wa­gen zu kön­nen, schließt Hit­ler am 23. Au­gust mit der Sow­jet­uni­on ei­nen Nicht­an­griffs­pakt ab und re­gelt au­ßer­dem in ei­nem ge­hei­men Zu­satz­pro­to­koll die Auf­tei­lung der Beu­te nach der Nie­der­wer­fung Po­lens. Hit­ler geht da­von aus, dass Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich trotz ihrer Ga­ran­ti­en auch dies­mal wie­der nur zu­schau­en und ihm nach­träg­lich die er­ober­ten Ge­bie­te zu­spre­chen werden.

1939 - 1945:

Am 1. Sep­tem­ber 1939 be­ginnt Hit­ler mit dem An­griff auf Po­len den Zwei­ten Welt­krieg, der so viel Leid, Elend und Tod über die Welt ge­bracht hat. Fast 30 Mil­li­o­nen Men­schen kos­tet der Krieg bis 1945 das Le­ben. Deutsch­land selbst muss eben­falls schwer für seine Ag­gres­si­on be­zah­len: Das gan­ze Land liegt in Trüm­mern, Deutsch­land wird ge­teilt und tau­sen­de Men­schen wer­den aus ihrer Hei­mat ver­trieben.

Hit­ler ver­sucht den An­griff zu Be­ginn noch als Not­wehr zu recht­fer­ti­gen, in­dem er SS-Sol­da­ten in pol­ni­schen Uni­for­men den deut­schen Sen­der in Glei­witz über­fal­len lässt und da­nach im Rund­funk ver­kün­det: „Seit 5:45 Uhr wird zu­rück­ge­schos­sen!”. Dies­mal je­doch fal­len Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich nicht wie­der auf Hit­lers Täu­schungs­ver­su­che her­ein, son­dern er­klä­ren ihm den Krieg, ohne je­doch di­rekt zu han­deln. Statt­des­sen war­ten sie ab und las­sen Hit­ler von Sieg zu Sieg stür­men. Nach dem schnel­len Sieg über Po­len folgt An­fang 1940 die Er­obe­rung von Dä­ne­mark und Nor­we­gen. Mit Aus­nah­me ei­nes An­grif­fes der bri­ti­schen Flot­te auf die deut­schen Zer­stö­rer im Fjord von Nar­vik ver­hal­ten sich die Al­li­ier­ten auch hier wie­der ru­hig. Als Deutsch­land im Früh­jahr 1940 Bel­gi­en, die Nie­der­lan­de und Lu­xem­burg an­greift, ent­sen­den die Bri­ten nur ei­ne klei­ne Ex­pe­di­ti­ons­ar­mee, und die Fran­zo­sen ru­hen sich hin­ter ih­rer an­geb­lich un­über­wind­ba­ren Ma­gi­not-Li­nie aus: Ein schwe­rer Feh­ler wie sich zeigt! Ge­ne­ral­oberst Rom­mel greift mit sei­nen Pan­zern durch die Ar­den­nen her an und um­geht so die Fes­tungs­li­nie. Die Fran­zosen, die ei­nen Pan­zer­an­griff durch die­sen Ge­birgs­zug als völ­lig un­wahr­schein­lich er­ach­ten, wer­den da­her auf dem lin­ken Fuß er­wischt. Die Trup­pen sind nicht in der La­ge, den An­griff ab­zu­weh­ren, und Frank­reich wird in­ner­halb von zwei Wo­chen über­rannt. Am 22. Juni 1940 muss es in Com­piég­ne die be­din­gungs­lo­se Ka­pi­tu­la­tion un­ter­zeich­nen, im glei­chen Ei­sen­bahn­wag­gon, in dem Deutsch­land am 11. No­vem­ber 1918 den Waf­fen­still­stands­ver­trag un­ter­schrei­ben muss­te. Da­mit ist nur noch Groß­bri­tan­ni­en mit Deutsch­land im Krieg.

Nach der Nie­der­wer­fung Frank­reichs ver­sucht Hit­ler da­her zu­nächst, Groß­bri­tan­ni­en zum Frie­den zu be­we­gen. Der bri­ti­sche Pre­mi­er­mi­nis­ter Wins­ton Spen­cer Chur­chill je­doch lehnt ab. Des­halb ver­sucht Reichs­mar­schall Her­mann Gö­ring, der Ober­be­fehls­ha­ber der Luft­waffe, Eng­land in ei­ner Luft­schlacht in die Knie zu zwin­gen. Als die­se Ver­su­che je­doch schei­tern, wen­det sich Hit­ler neu­en Zie­len zu: Dem „Le­bens­raum im Os­ten”. Hit­ler lässt hier­zu Plä­ne für ei­nen An­griff auf die Sow­jet­uni­on er­ar­bei­ten. Als Mus­so­li­ni je­doch im Som­mer 1941 Grie­chen­land an­greift, al­ler­dings ei­ne her­be Nie­der­lage ein­stec­ken muss, und auch Ju­go­sla­wi­en die Freund­schafts­ver­trä­ge auf­kün­digt, greift Hit­ler mit der Wehr­macht ein und er­obert in drei Wo­chen den Bal­kan. Am 22. Ju­ni 1941 greift Deutsch­land die Sow­jet­uni­on an und ope­riert gleich­zei­tig auch in Af­ri­ka, wo die ita­li­e­ni­schen Trup­pen von der bri­ti­schen Ar­mee über­rannt wor­den sind.

Die Zer­split­te­rung führt da­zu, dass die deut­sche Ar­mee an vie­len Stel­len gleich­zei­tig ihre Kräf­te ein­set­zen muss, und so wird der Krieg im Win­ter 1941 vor Mos­kau fak­tisch be­reits ent­schie­den. Zwar kann die Wehr­macht im Som­mer 1942 noch ein­mal bis nach Sta­lin­grad vor­sto­ßen und die Stadt ein­neh­men, aber mit dem An­griff der Ja­pa­ner auf Pearl Har­bour am 8. De­zem­ber 1941 und dem Kriegs­ein­tritt der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, än­dern sich die Kräf­te­ver­hält­nis­se end­gül­tig zu Guns­ten der Al­li­ier­ten. Als im Win­ter 1942 / 1943 schließ­lich auch noch die deut­schen Trup­pen in Sta­lin­grad ein­ge­schlos­sen und ver­nich­tet wer­den, be­ginnt der An­fang vom Ende.

Hit­ler denkt je­doch nicht im Ge­rings­ten an eine Ka­pi­tu­la­tion. Statt­des­sen lässt er die Deut­schen von Jo­seph Goeb­bels auf den „To­ta­len Krieg” und den „End­sieg” ein­schwö­ren. Am 10. Ju­li 1943 lan­den bri­ti­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen auf Si­zi­li­en und Mus­so­li­ni wird dar­auf­hin am 25. Ju­li von den Fa­schis­ten ab­ge­setzt und in­haf­tiert. Ita­li­en nimmt in der Fol­ge Waf­fen­still­stands­ver­hand­lun­gen mit den Al­li­ier­ten auf und ka­pi­tu­liert am 8. Sep­tem­ber. Mit der Ka­pi­tu­la­tion Ita­li­ens und der Lan­dung al­li­ier­ter Trup­pen in Süd­ita­li­en wird Deutsch­land in ei­nen Zwei­fron­ten­krieg ge­zwun­gen. Deut­sche Trup­pen be­set­zen dar­auf­hin Nord­ita­li­en, be­frei­en Mus­so­li­ni und er­rich­ten am 12. Sep­tem­ber die Ita­li­e­ni­sche So­zi­al­re­pub­lik un­ter der Füh­rung Mus­so­li­nis. Als am 6. Ju­ni 1944 mit der Lan­dung der Al­li­ier­ten in der Nor­man­die so­gar ein Drei­fron­ten­krieg ent­steht, ist die Nie­der­lage end­gül­tig un­ab­wind­bar. Doch Hit­ler ist im­mer noch nicht zur Ka­pi­tu­la­tion bereit.

Um wei­te­ren Scha­den ab­zu­weh­ren und um mit den Al­li­ier­ten in Ver­hand­lun­gen über ei­nen Waf­fen­still­stand ein­zu­tre­ten, ver­sucht am 20. Ju­li 1944 ein Kreis von Of­fi­zie­ren um Lud­wig Beck, Claus Graf Schenk von Stauf­fen­berg und Er­win von Witz­le­ben so­wie ehe­ma­li­ger Po­li­ti­ker wie Ju­li­us Le­ber und Carl Fried­rich Goer­de­ler, Hit­ler zu er­mor­den. Das At­ten­tat auf Hit­ler in der „Wolfs­schan­ze”, sei­nem Haupt­quar­tier in Ost­preu­ßen, schei­tert je­doch, da die Sit­zung des Ge­ne­ral­sta­bes in ei­ner Holz­ba­rac­ke statt wie ge­plant im Bunker statt­fin­det und die Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen den Ver­schwö­rern nicht funk­ti­o­niert. Viel zu spät wer­den da­her die ge­plan­ten Maß­nah­men er­grif­fen, um die Schalt­zen­tra­len in Ber­lin zu be­set­zen und die Füh­rungs­rie­ge des Rei­ches zu ent­mach­ten. Hit­ler, der nur leicht ver­letzt wird, lässt dar­auf­hin den Auf­stand nie­der­schla­gen und die Wi­der­stands­kämp­fer hin­rich­ten. Die letz­ten Mo­na­te des Krie­ges vom Ju­li 1944 bis zum Mai 1945 for­dern mehr Men­schen in Deutsch­land das Le­ben als der ge­sam­te Krieg zuvor.

Als Ber­lin am 30. April 1945 von den Sow­jets er­obert wird, be­geht Hit­ler Selbst­mord. Der Krieg geht je­doch noch bis zum 8. Mai 1945 wei­ter und kos­tet noch ein­mal meh­re­re tau­send Men­schen das Leben.

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Zeilsheim auf einer Luftaufnahme der amerikanischen Luftaufklärung vom 23. März 1945

Geschehnisse in Zeilsheim:

Die Re­gie­rung schafft 1940 alle kirch­li­chen Fei­er­ta­ge ab. Die Pro­zes­si­on­en zu Fron­leich­nam wer­den da­her auf den Sonn­tag nach dem Fron­leich­nams-Tag ver­legt. Al­ler­dings kön­nen sie wäh­rend des Krie­ges ohne­hin nicht durch­ge­führt wer­den, da die Ge­fahr durch Tief­flie­ger­an­grif­fe zu hoch ist. Au­ßer­dem wer­den die Ge­mein­den zur Her­aus­ga­be der Bron­ze­gloc­ken auf­ge­for­dert. Am 13. De­zem­ber 1941 kommt die kat­ho­li­sche Pfar­rei der Auf­for­de­rung nur zag­haft nach und lie­fert ei­ne der bei­den Gloc­ken im Schwes­tern­haus ab. Am 14. Ja­nu­ar 1942 wird sie dann al­ler­dings auch zur Her­aus­gabe der bei­den grö­ße­ren Gloc­ken der Pfarr­kir­che ge­zwun­gen. Seit­dem hängt im Dach­türm­chen der Pfarr­kir­che nur noch eine Gloc­ke. Auch die evan­ge­li­sche Ge­mein­de muss 1943 ihre Gloc­ken her­ausgeben.

Im Jahr 1940 wer­den zu­erst pol­ni­sche Zi­vil­ge­fan­ge­ne zur Mit­hil­fe in der Land­wirt­schaft nach Zeils­heim ge­bracht. Sie sind in Mas­sen­quar­tie­ren un­ter­ge­bracht, iso­liert von der deut­schen Be­völ­ke­rung und gel­ten als Men­schen zwei­ter Klas­se. Im Lau­fe des Krie­ges, als im­mer mehr Män­ner an die Front müs­sen, wer­den Dienst­ver­pflich­te­te aus Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den und den be­setz­ten Ost­ge­bie­ten als „Fremd­ar­bei­ter” zur Zwangs­ar­beit in den I.G. Far­ben-Wer­ken her­an­ge­zo­gen. Sie wer­den ab 1942 / 1943 in zwei von den I.G. Far­ben ge­bau­ten La­gern, dem „Stein­ba­rac­ken­la­ger” nörd­lich der Pfaf­fen­wie­se (heu­te das Park­ge­län­de hin­ter der Stadt­hal­le, zwi­schen Bech­ten­wald- und Rom­berg­stra­ße) und dem „Holz­ba­rac­ken­la­ger” süd­lich da­von (heu­ti­ge „Mär­chen­sied­lung”), un­ter­gebracht.

Als am 3. Sep­tem­ber 1941 in Zeils­heim an drei ver­schie­de­nen Stel­len Bom­ben fal­len, wird die Zeils­hei­mer Zi­vil­be­völ­ke­rung erst­mals di­rekt durch den Krieg in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Die Ab­würfe sind al­ler­dings nur ver­se­hent­lich auf Zeils­heim ge­fal­len, als Frank­furt von bri­ti­schen Bom­ber­ver­bän­den an­ge­grif­fen wor­den ist. Mit an­hal­ten­der Kriegs­dauer stei­gen auch die Be­las­tun­gen für die Zi­vil­be­völ­ke­rung in Zeils­heim. Die Luft­an­grif­fe wer­den im­mer mas­si­ver und zwin­gen die Orts­be­woh­ner auch tags­über in die Kel­ler. Wur­de 1943 in Zeils­heim nur 65 mal Luft­alarm aus­ge­löst, wer­den im Jah­re 1944 bereits 241 und im Jah­re 1945 (Ja­nu­ar bis März) 113 Flie­ger­alar­me registriert.

Sechs­zehn­jäh­ri­ge Schü­ler wer­den ab 1943 als „Luft­waf­fen­hel­fer” ein­ge­zo­gen und müs­sen Flug­ab­wehr­ka­no­nen bei Sind­lin­gen so­wie am Hof Hau­sen be­die­nen. Als letz­tes Auf­ge­bot wer­den schließ­lich alle noch ver­füg­ba­ren Män­ner, dar­un­ter auch Halb­wüch­sige und Grei­se, im „Volks­sturm” re­kru­tiert, um dem Krieg noch eine Wen­dung zu geben.

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Bild oben: Ehe­ma­li­ges „Stein­ba­racken­­la­ger” nörd­lich der Pfaf­fen­wie­se zwi­schen Bech­ten­wald- und Rom­berg­straße
(Aufnahme 1944)
Bild unten: Ehe­ma­li­ges „Holz­ba­racken­la­ger” süd­lich der Pfaf­fen­wie­se auf dem Ge­biet der heu­ti­gen „Märchen­siedlung”
(Aufnahme 1943)

Ab En­de Feb­ru­ar 1945 über­stür­zen sich in Zeils­heim die Er­eig­nis­se, als die Front im­mer nä­her rückt. Der Pfar­rer der kat­ho­li­schen Ge­mein­de, Alex­an­der Rupp no­tiert:

23.02.: Täg­lich ein bis drei mal Flie­ger­alarm. Für Kran­ken­trans­por­te kein Ben­zin mehr. 14.03.: Ar­beits­fä­hi­ge Män­ner zum Schan­zen an den „Rhein­wall” kom­man­diert. 18.03.: Ei­sen­bahn­ver­kehr ein­ge­stellt; Koh­len schon lan­ge nicht mehr vor­han­den. Frau­en und Kin­der ho­len Holz aus dem Schwan­hei­mer Wald.
Die bei­den Fremd­ar­bei­ter­la­ger sind ge­räumt. Zeils­hei­mer Volks­sturm­män­ner bei Kob­lenz und Frank­furt an der Oder im Ein­satz. Ver­wun­de­te Zeils­hei­mer kom­men zu Fuß nach Hause.
21.03.: Auf Be­fehl der Par­tei wer­den in Zeils­heim Pan­zer­sper­ren ge­baut. Die et­wa 200 ein­quar­tier­ten halb­wüch­si­gen Sol­da­ten zie­hen mit 17 Ge­weh­ren an die Front.
Aus der Frank­fur­ter In­nen­stadt ge­flüch­te­te Frauen, Kin­der und Grei­se zie­hen mit ih­ren Hand­wa­gen durch Zeils­heim in die Tau­nus­orte.
23.03.: 5:30 Uhr: Ka­no­ne­don­ner aus der Nä­he; Gra­nat­ein­schlä­ge in den Farb­wer­ken.
Na­zi­fah­nen wer­den zer­trennt, Füh­rer­bil­der zer­schla­gen und ver­brannt; Na­zi­ab­zei­chen weg­ge­wor­fen.
24.03.: Ge­schütz­feu­er über Zeils­heim hin­weg; 113. Flie­ger­alarm seit Jah­res­be­ginn! 25.03.: Palm­sonn­tag. Die letz­ten Män­ner wer­den zum Volks­sturm ge­holt. Ame­ri­ka­ni­sche Pan­zer ha­ben bei Op­pen­heim den Rhein über­quert und ste­hen süd­lich von Frank­furt.
Zeils­hei­mer Par­tei­funk­ti­o­nä­re ver­bren­nen Pa­pie­re und Ak­ten, ver­gra­ben Ge­weh­re und Munition.
26.03.: Deut­sche Sol­da­ten ein­quar­tiert; fast oh­ne Aus­rüs­tung und Waffen.
Ge­schütz­feu­er von der süd­li­chen Main­sei­te; Ein­schlä­ge und To­te in Sind­lin­gen, auch in Zeils­heim an der Pfaffen­wiese.
27.03.: Pan­zer­sper­ren von der Be­völ­ke­rung ent­fernt. Rück­zug deut­scher Trup­pen durch Zeilsh­heim in Rich­tung Tau­nus. Die Be­völ­ke­rung schläft nur noch im Keller. 28.03.: Wies­ba­den von Ame­ri­ka­nern be­setzt. Den gan­zen Tag über hef­ti­ges Ge­schütz­feu­er.
Kein Licht und kein Was­ser! Kei­ne Nach­rich­ten mehr aus dem Radio!
Zeils­hei­mer Volks­sturm­män­ner kom­men aus der Wet­ter­au zurück.
19:00 Uhr: Ame­ri­ka­ni­sche Pan­zer­späh­wa­gen fah­ren durch Zeils­heim. Über­all wei­ße Fah­nen! Es fällt kein Schuss!
29.03.: Grün­don­ners­tag. 11:30 Uhr: Ame­ri­ka­ni­sche Pan­zer­ko­lon­nen rol­len durch Zeils­heim. 30.03.: Kar­frei­tag. Stille! 31.03.: Os­ter­sams­tag. In­fan­te­ris­ten der 1. ame­ri­ka­ni­schen Ar­mee rüc­ken auf Lkw ein und be­set­zen Zeils­heim. Nächt­li­che Aus­gangs­sper­re und Ver­kehrs­be­schrän­kun­gen; Be­nut­zung ei­nes Fahr­rads nur mit Ge­neh­mi­gung der ame­ri­ka­ni­schen Mi­li­tär­kommandantur.

Ins­ge­samt hat Zeils­heim wäh­rend des Krie­ges 124 Ge­fal­le­ne und 7 Luft­kriegs­op­fer zu be­klagen.



Verfasser:

Alexander von Janta Lipinski

Quelle:

Vollert, Adalbert:
Zeilsheim - Ein Frankfurter Stadtteil in alter und neuer Zeit (Herausgegeben von der Frankfurter Sparkasse von 1822)

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1, 24. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 2, 28. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994