Frankfurt am Main-Zeilsheim

Geschichte

Zeit nach dem 1. Weltkrieg und der Weimarer Republik

1918:

Nach­dem der Kaiser am 9. No­vem­ber ab­ge­dankt hat und Philipp Scheide­mann die Re­pub­lik aus­ruft, werden die Re­gie­rungs­ge­schäfte an den SPD-Vor­sitzen­den Fried­rich Ebert über­tragen. Am 10. No­vem­ber bildet sich die neue Re­gie­rung der „Rat der Volks­beauf­trag­ten”, der je drei Mit­glieder von SPD und USPD an­ge­hören. Da­neben bildet sich, mit dem Ziel der Er­rich­tung einer sozia­lis­ti­schen Räte­re­pub­lik, außer­dem ein „Voll­zugs­rat der Arbeiter- und Soldaten­räte”. In Zeils­heim bildet sich am 15. No­vem­ber ein eigener Arbeiter- und Soldaten­rat, je­doch setzen sich die Be­für­worter einer Räte­re­pub­lik nicht durch.

Durch den Waffen­still­stands­ver­trag als Sieger aus dem Ersten Welt­krieg her­vor­ge­gangen, be­setzen fran­zö­si­sche Truppen im De­zem­ber weite Teile des links­rhei­ni­schen Reichs­terri­to­riums. Am 14. De­zem­ber rücken dabei auch 1.100 Soldaten in Zeils­heim ein und be­setzen den Ort; 650 Soldaten quar­tie­ren sich in der Schule ein. Die Be­satz­ung dauert bis zum Jahre 1930, als Frank­reich ge­mäß des Ver­trages von Locarno die letzten be­setz­ten Ge­biete räumt.

Als Er­satz für die während des Krieges ein­ge­schmol­ze­nen Glocken erhält die katho­lische Kirche die Glocke eines Bahn­hofes der Ludwigs­bahn (Bahn­linie Höchst-Limburg). Die evan­ge­li­sche Kirche muss vor­erst noch ohne neue Glocken aus­kommen, er­hält je­doch sechs Jahre später ein voll­ständiges neues Geläut.

1919 / 1920:

Am 18. Ja­nuar 1919 wird in Paris die Ver­sailler Friedens­kon­ferenz er­öffnet, die ohne Be­teili­gung Deutsch­lands die Friedens­be­din­gun­gen aus­ar­beitet. Am 19. Ja­nuar 1919 wird die National­ver­samm­lung als erstes demo­kra­ti­sches gesetz­ge­ben­des Gremium des Deut­schen Reiches ge­wählt. Auf­gabe der National­ver­samm­lung ist es, eine Ver­fassung zu er­ar­beiten und die Grund­lagen für einen demo­kra­ti­schen deut­schen Staat zu schaffen. Als ersten Reichs­präsi­denten wählt sie den SPD-Vor­sit­zen­den Fried­rich Ebert, Minister­prä­si­dent wird der SPD-Poli­ti­ker Philipp Scheidemann.

Am 7. Mai 1919 werden die Friedens­be­din­gun­gen an Deutsch­land über­reicht, das nur noch schrift­lich gegen die be­ste­hen­de Fassung pro­tes­tie­ren und wenige Än­de­run­gen an der Vor­lage durch­setzen kann. Deutsch­land ist über die ok­tro­yier­ten Be­din­gun­gen des Ver­trages mehr als un­glück­lich, ver­liert es doch Posen und West­preußen, Nord­fries­land, das Memel­ge­biet, Mal­medy und Eupen, so­wie das im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg er­oberte Elsass-Loth­ringen. Dar­über hin­aus werden die links­rhei­ni­schen Ge­biete, das Ruhr­ge­biet und Teile des Rhein-Main-Ge­bietes von Frank­reich be­setzt und die allei­nige Kriegs­schuld dem Deut­schen Reich an­ge­lastet. Im Zuge der An­dro­hung eines Ein­marsches der Truppen der Sieger­mächte auf deut­sches Terri­torium, unter­zeich­net die National­ver­samm­lung den Ver­sailler Ver­trag am 28. Juni 1919.

Am 11. August 1919 wird die von der National­ver­samm­lung ver­ab­schie­dete Reichs­ver­fassung von Reichs­prä­si­dent Ebert unter­zeich­net. Am 10. Januar 1920 tritt der Ver­trag von Ver­sailles in Kraft, und am 6. Juni 1920 werden die ersten freien Wahlen zum Reichs­tag durch­ge­führt.

1921 / 1922:

Im Jahre 1920 wurde das Schul­system demo­kra­ti­siert. Die Eltern be­kamen ein Mit­sprache­recht in Form eines Eltern­bei­rates, der über ver­schie­dene Listen zu­sammen­gesetzt ist. Die Eltern­bei­rats­wahl zeigt die schul­poli­tische Stimmung in Zeilsheim:

Liste Stimmen Sitze
Katholische Liste 224 11
Unabhängige Sozialisten 90 4
Evangelische Liste 69 3
Mehrheitssozialisten 40 2

Da das Mit­sprache­recht der Eltern auch bei der Be­set­zung von Lehrer­stellen gilt, bekommt die Zeils­heimer Schul­szene schon bald einen poli­tischen Akzent.

1921 kommt es zu einem er­bitter­ten Schul­kampf, als die sozia­lis­tischen Eltern­ver­treter für die 39 "frei­reli­gi­ösen" Schüler die Ein­stellung des "frei­sinnigen" Lehrers Paul Schmitt fordern. Die christ­lichen Eltern­ver­treter stimmen dieser Ent­schei­dung je­doch nicht zu, und des­halb rufen die Sozia­listen zum Schul­streik auf und be­setzen am 1. Mai 1922 sämt­liche Ein­gänge zur Schule. Katho­lische Väter bahnen dar­auf­hin unter An­führung von Kaplan Müller schul­willigen Kindern den Weg ins Schulhaus.

Die Re­gie­rung in Wies­baden wieder­um ist auch nicht be­reit nach­zu­geben und be­steht auf der Ein­stellung des Lehrers Schmitt. Dar­auf­hin drohen die Katho­liken mit Schul­streik, und am 30. Juni 1922 bleiben etwa 360 katho­lische Schüler dem Unter­richt fern. Der Streit kann erst bei­ge­legt werden, als die Re­gie­rung in Wies­baden Ende August 1922 die amt­liche Er­laub­nis er­teilt, Schüler aus der Klasse des Lehrers Schmitt um­schulen zu können.

Bild zu Text

Lehrerin Änne Jösch mit dem 2. Schuljahr (Klasse 7b) im Jahre 1925

1923:

Die Wirt­schafts­krise er­reicht ihren Höhe­punkt. Die In­fla­tion der Währung ist mittler­weile so weit fort­ge­schritten, dass die Reichs­re­gie­rung ständig neue Ge­setze zur Prä­gung von Münzen mit immer größeren Nenn­werten er­lässt. Bis je­doch die Münzen ge­prägt und tat­säch­lich aus­ge­geben werden, sind sie schon wieder wert­los. Böse Stimmen be­haup­ten, dass die Münzen nur noch ge­prägt werden, um die Arbeits­plätze zu er­halten.

Im Herbst ist die Reichs­mark zur wertlosen Rechen­größe her­ab­ge­sunken. Um das Ver­trauen der Be­völ­ke­rung und des Aus­landes in die Währung zurück­zu­ge­winnen, sucht die Reichs­bank nach einer über­zeu­gen­den Deckungs­mög­lich­keit. Aus diesem Grund wird am 15. Ok­to­ber die Deut­sche Renten­bank in Berlin ge­gründet. Deren Renten­briefe bilden die Deckung für die neue Währung, die aus diesem Grunde den Namen „Renten­mark” er­hält. Ab 15. No­vem­ber werden die alten Reichs­mark zum Kurs von 1 Billi­onen Reichs­mark = 1 Renten­mark um­ge­tauscht.

Da­mit er­holt sich die deut­sche Wirt­schaft lang­sam wieder, je­doch sinkt das Ver­trauen der Be­völ­ke­rung in den noch jungen deut­schen Staat. Das poli­ti­sche Leben be­ginnt sich lang­sam zu radi­kali­sieren. Die Parteien, die treu zur Ver­fassung stehen, ver­lieren an Stimmen, während die Gegner der Republik (KPD, DNVP, NSDAP) immer größere Stimmen­zu­wächse ver­zeichnen.

In Zeils­heim be­ginnen trotz der Wirt­schafts­krise die Ar­beiten zum Auf­bau einer Orts­kanalisation.

1924:

Als Er­satz für die 1917 im Ver­lauf des Krieg ab­ge­lie­fer­ten und für Kriegs­zwecke ein­ge­schmol­zenen Glocken er­hält die evan­ge­li­sche Kirche ein neues Ge­läut be­stehend aus drei Glocken.

1925:

Die Farb­werke stellen den dritten Ab­schnitt ihrer Werks­wohnungen, die so­ge­nannte „Neue Kolonie” fertig. Ins­gesamt wurden hier 154 weitere Wohnungen ge­baut. Die Be­völ­ke­rung Zeils­heims wächst auf 4.504 Seelen.

Am 28. Februar stirbt Reichs­prä­si­dent Fried­rich Ebert. Damit ver­liert Deutsch­land einen der wich­tigs­ten Be­für­worter der Weimarer Republik. Mit der Wahl des monar­chis­ti­schen, greisen Feld­mar­schalls des Ersten Welt­krieges Paul von Hinden­burg wird am 26. April einer der Gegner der Weimaer Republik zum Reichs­prä­si­den­ten gewählt. Damit be­ginnt lang­sam das Ende der jungen Demokratie.

Bild zu Text

Häuser in der „Neuen Kolonie”

(links: Braunschweiger Weg, rechts: Ecke Coburger Weg/Neu-Zeilsheim)

1926:

Zeils­heim wird end­lich auch an das öffent­liche Nah­verkehrs­netz der Stadt Höchst am Main an­ge­schlossen. Die neu ein­ge­rich­tete Bus­linie Höchst-Sindlingen-Zeilsheim ver­bindet da­mit die beiden west­lichen Vor­orte mit der Stadt­mitte, der seit 1917 be­ste­hen­den Stadt Höchst am Main.

Auch bei der Lö­sung des Platz­problems in der katho­lischen Pfarr­kirche be­wegt sich wieder etwas. Der be­kannte Frank­furter Archi­tekt Martin Weber kann für das Bau­vor­haben ge­wonnen werden. Es stellt sich nur noch die Frage, ob ein Neu­bau oder eine Er­weite­rung der vor­han­de­nen Kirche er­folgen soll.

Deutsch­land kann in der Außen­politik erst­mals wieder Er­folge er­zielen. Frank­reich kann durch die Ver­träge von Locarno zur Räu­mung des Ruhr­gebietes und der Kölner Zone, dem ersten Ab­schnitt der seit 1918 be­setz­ten Rhein­lande be­wegt werden. In den Ver­trägen wird im Wei­teren die Räu­mung des ge­samten Rhein­landes und des Rhein-Main-Ge­bietes in zwei weiteren Ab­schnitten bis zum Jahre 1930 fest­gelegt.

Nach der An­nä­her­ung an Frank­reich und somit außen­politisch saniert, ge­lingt Deutsch­land außer­dem die Auf­nahme in den Völker­bund, aus dem es unter Hitler 1933 aller­dings wieder aus­tritt.

1928:

Die Stadt Höchst am Main wird am 01. April nach Frank­furt ein­ge­mein­det. Zeils­heim hat im Jahr der Ein­ge­mein­dung 4602 Ein­wohner.

Bild zu Text

Ehe­ma­li­ges Ge­mein­de­rat­haus, Ecke Alt-Zeils­heim/Welsch­graben­straße
(Aufnahme von 1925)

Das Haus wurde 1812/13 als Ge­mein­de­back­haus er­richtet. In einem rück­wärtig ge­le­ge­nen Schuppen be­fand sich die Ge­mein­de­schmiede. Von 1834 bis 1917, dem Jahr der Ein­ge­mein­dung nach Höchst, wurde das Ober­ge­schoss als Schul­theißen­stube und Bürger­ver­samm­lungs­raum ge­nutzt. Zu­vor waren „Rat­haus und Schul­haus unter einem Dach”.

Nach dem Ent­fer­nen des Back­ofens be­fanden sich im Erd­ge­schoss ein Arrest­lokal, die Nacht­wächter­stube und die beiden Kammern der Ge­mein­de­hirten. Nach der Ein­ge­mein­dung 1917 waren die „Bezirks­ver­wal­tung Zeils­heim” und die Polizei­station in dem Ge­bäude unter­ge­bracht. Es wude im Jahre 1930 wegen Bau­fällig­keit ab­ge­rissen.

1929:

Mit dem Zu­sammen­bruch der New Yorker Börse am 29. Oktober, dem so­genann­ten „Schwarzen Freitag” wird die Welt­wirt­schafts­krise ein­ge­leitet. In Deutsch­land wirkt sich die Wirt­schafts­krise durch die in Folge des Krieges und der Re­pa­ra­tions­zahlungen schlechte Lage der Wirt­schaft be­sonders schlimm aus.

1930:

Die Stadt Frank­furt baut in Zeils­heim eine Bezirks­sport­anlage. Mit dieser Sport­anlage in der Lenzen­berg­straße haben die ver­schie­de­nen Sport­vereine nun die Mög­lich­keit vor Ort zu trainieren. Im gleichen Jahr wird auch das alte Ge­mein­de­rat­haus an der Ecke Alt-Zeils­heim/Welsch­graben­straße auf Grund von Bau­fällig­keit ab­ge­rissen. Heute steht dort der An­bau des Gast­hauses „Die Rose”.

Reichs­kanzler Her­mann Müller-Franken wird am 28. März wegen seiner Vor­lage zur Arbeits­losen­ver­siche­rung vom Reichs­tag ge­stürzt. Neuer Reichs­kanzler wird Dr. Hein­rich Brüning. Bei der Wahl zum Reichs­tag vom 14. Sep­tem­ber ver­liert Brüning seine parla­men­ta­rische Mehr­heit und kann nur noch, ge­stützt auf Not­ver­ord­nungen des Reichs­prä­si­den­ten, der ihm sein volles Ver­trauen schenkt, re­gie­ren. Da­mit ist die Demo­kratie so gut wie aus­ge­schal­tet und der Reichs­tag seiner Mit­be­stimmungs­rechte beraubt.

Viel schlimmer als der Ver­lust der parla­men­ta­rischen Mehr­heit der Re­gie­rung Brüning sind je­doch die Stimmen­ge­winne der NSDAP, die gegen­über der Wahl von 1928, bei der sie nur 12 Sitze im Reichs­tag erringen konnte, jetzt 95 Sitze mehr, näm­lich 107 Sitze, im Reichs­tag besitzt.

Bild zu Text

Pfaffenwiese zwischen Alt-Zeilsheim und Saalfelder Straße
(Aufnahme von 1930)

1932:

End­lich ge­lingt es der katho­lischen Pfarr­ge­mein­de die Kirchen­er­wei­te­rung in An­griff zu nehmen. In einer Pfarr­ver­samm­lung am 29. März im Saal­bau des Gast­hofs „Zum goldenen Löwen” wird der Ge­mein­de der Ent­wurf von Archi­tekt Martin Weber vor­ge­stellt, der die Er­wei­te­rung der be­ste­hen­den Kirche um ein quer zur alten Kirche ste­hen­des Lang­schiff – einen hellen, einfachen, modernen Bau – vor­sieht. Am 11. April schließ­lich wird vom Kirchen­vor­stand ein­stimmig der Be­schluss ge­fasst, die Kirche ent­sprechend den Plänen von Martin Weber zu er­weitern. Am 2. Mai wird unter der Bau­lei­tung des Hof­heimer Bau­inge­nieurs Georg Müller mit den Ar­beiten be­gonnen. Beim Bau werden be­sonders Arbeiter und Arbeits­lose aus Zeils­heim be­schäftigt.

Am Pfingst­sonn­tag, dem 15. Mai wird feier­lich der Grund­stein des Er­wei­te­rungs­baus ge­legt, nach­dem zu­vor das älteste Zeils­heimer Schul­haus nieder­ge­legt wurde. In den folgen­den Monaten ar­beiten ständig mehr als zehn Menschen ohne heutige tech­nische Hilfs­mittel an dem Bau. Bei einer Arbeits­zeit von 48 Wochen­stunden er­halten die Arbeiter gerade ein­mal einen Stunden­lohn von 0,90 Reichs­mark.

Be­reits am 4. Sep­tem­ber können die neuen Glocken für den vor­han­de­nen Glocken­stuhl-Dach­reiter ge­weiht werden. Die alten Glocken, die bis dahin im Dach­reiter der alten Kirche hingen, werden dem Schwestern­haus ge­schenkt und dort im kleinen Turm auf dem Dach des Hauses auf­ge­hängt. Die feier­liche Kon­se­kra­tion der neuen Kirche (ohne An­strich, Fuß­boden, Ein­rich­tung, end­gül­tige Fenster etc.) findet am 20. No­vem­ber durch Bischof Dr. Anto­nius Hilf­rich statt. Die Gesamt­kosten für die Er­wei­te­rung der Kirche be­tragen 65.039,51 Reichs­mark und sind über den Kirchen­bau­verein, Kapital des Bau­fonds, Erb­schaften, Firmen­spenden, eine Diö­zesan­kollekte u.ä. be­schafft worden.

Im gleichen Jahr wird auch mit dem Bau der Heller­hof­sied­lungen im Bereich des Pflus­pfades und der Kegel­bahn be­gonnen.

Als Folge der Intrigen der „Kamarilla” um Hinden­burg (General Kurt von Schleicher, Oskar von Hindenburg (Sohn des Reichs­prä­si­den­ten), ost­elbische Junker), die Reichs­kanzler Dr. Hein­rich Brüning wegen seiner Sanierungs- und Siedlungs­politik agro­bolsche­wisti­scher Nei­gungen ver­däch­tigen, wird die Re­gie­rung am 30. Mai ge­stürzt. Nach­folger Brünings wird am 1. Juni Franz von Papen. Am 4. Juni wird der Reichs­tag auf­ge­löst. Bei den Neu­wahlen am 31. Juli kann die NSDAP 230 Sitze im Reichs­tag er­ringen und wird damit stärkste poli­tische Kraft. Hinden­burg weigert sich je­doch, Hitler zum Reichs­kanzler zu er­nennen. Da die Re­gie­rung von Papen mit 145 Sitzen keine parla­men­ta­rische Mehr­heit be­sitzt, re­giert der Reichs­kanzler nur noch ge­stützt auf Not­ver­ordnungen.

Die NSDAP kann bei den Land­tags­wahlen in An­halt (21.05.32), Olden­burg (16.06.32), Mecklen­burg-Schwerin (13.07.32) und Thü­rin­gen (26.07.32) die nötigen Mehr­heiten er­ringen und stellt so­wohl den Minister­prä­si­den­ten als auch die Re­gie­rung; in Braun­schweig, Lübeck und Mecklen­burg-Strelitz ist sie an der Re­gie­rung be­teiligt. Den härtesten Schlag je­doch muss die Weimaer Republik hin­nehmen, als die NSDAP bei der Land­tags­wahl in Preußen am 24. April zur stärksten Fraktion ge­wählt wird und da­mit die ab­so­lute Mehr­heit der seit 1920 ge­mein­sam re­gie­ren­den Parteien (SPD, Zentrum und DDP) bricht. Preußen als größter Teil­staat des Reiches ist da­mit un­re­gier­bar ge­worden.

Am 12. Sep­tem­ber lässt Reichs­kanzler von Papen den Reichs­tag er­neut auf­lösen, weil er wegen seiner Not­ver­ord­nungen zur Durch­füh­rung des „Papen-Plans” zur An­kur­belung der Wirt­schaft vom Reichs­tag nieder­ge­stimmt wird. Bei der Reichs­tags­wahl am 6. No­vem­ber muss die NSDAP zwar Ver­luste hin­nehmen, bleibt mit 196 Sitzen aber den­noch stärkste Kraft. Die Re­gie­rungs­parteien können zwar leichte Ge­winne ver­zeich­nen, doch be­sit­zen sie mit 155 Sitzen noch immer keine re­gie­rungs­fähige Mehrheit.

Reichs­kanzler von Papen ver­sucht weiter­hin mit Not­ver­ord­nungen zu re­gie­ren, doch sein Plan, einen auto­ri­tären „Neuen Staat” unter Aus­schal­tung des Reichs­tages und ge­stützt auf die Reichs­wehr zu er­richten, scheitert, und von Papen tritt am 17. No­vem­ber zurück.

Am 3. De­zem­ber wird General Kurt von Schleicher zum neuen Reichs­kanzler er­nannt. Sein Versuch, eine Spal­tung der NSDAP mit Hilfe des sozia­lis­ti­schen Flügels um Georg Strasser her­bei­zu­führen und die Mittel­parteien, die Gewerk­schaf­ten sowie die SPD für seine Politik zu gewinnen, schlägt fehl.



Verfasser:

Alexander von Janta Lipinski

Quelle:

Vollert, Adalbert:
Zeilsheim - Ein Frankfurter Stadtteil in alter und neuer Zeit (Herausgegeben von der Frankfurter Sparkasse von 1822)

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1, 24. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 2, 28. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994