Frankfurt am Main-Zeilsheim

Geschichte

Quelle:

Vollert, Adalbert:
Zeilsheim - Ein Frankfurter Stadtteil in alter und neuer Zeit (Herausgegeben von der Frankfurter Sparkasse von 1822)

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1, 24. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 2, 28. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994

Verfasser:

Alexander von Janta Lipinski

Dreißigjähriger Krieg bis Gründung des Kaiserreichs

1618 - 1648:

Im ganzen Hei­li­gen Römischen Reich tobt der Dreißig­jäh­rige Krieg. Zeils­heim muss, wie viele andere Orte im Reich, schlimm unter dem Krieg leiden. Gegen einen solchen Krieg, in dem es keine Regeln gibt und die Soldaten plündernd und mordend durch die Lande ziehen, ist ein kleines Dorf wie Zeils­heim macht­los. Immer wieder durch­streifen die sich be­krie­genden Armeen die Main­ebene.

Am 20. Juni 1622 kommt es zwischen Höchst und Rödel­heim zu einer blutigen Schlacht zwischen dem kaiser­lichen Genera­lissimus Graf Johann Tserclaes von Tilly und dem pro­tes­tan­tischen Feld­herren Herzog Christian von Braun­schweig, die mit der ent­schei­denden Nieder­lage der pro­tes­tan­tischen Truppen endet. Dennoch wurden von den Pro­tes­tanten viele katho­lische Orte, da­run­ter auch Zeils­heim, dessen Kapelle ge­plündert und dessen Be­wohner vor den Soldaten in die Taunus­wälder geflüchtet waren, zer­stört und nieder­ge­brannt. Aber auch pro­tes­tan­tische Orte, wie Unter­lieder­bach, wurden von den katho­lischen Truppen heim­ge­sucht.

Bis 1631 bleibt es im Main­gau dann ver­hält­nis­mäßig ruhig. Am 27. November 1631 erobert Gustav II. Adolf von Schweden jedoch die Stadt Höchst und am 13. Dezember des selben Jahres auch Mainz. Bis 1634 lagern die schwe­dischen Truppen in dieser Gegend und plündern die um­lie­genden Dörfer.

Während der Kriegs­jahre nimmt die Be­völ­kerung in Zeils­heim rapide ab. Von 24 Häusern zu Beginn des Krieges sind nur noch 15 be­wohnt, die Be­völ­kerung ist um die Hälfte gesunken. Genaue Zahlen sind je­doch nicht zu be­legen, da während der schwe­dischen Ver­wüstungen die Kirchen­bücher mit den ent­sprechen­den Statistiken ver­schwunden sind.

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Zeilsheim im Mittelalter
(nach einer Rekonstruktion von Jakob Christ)

1: Freihof 2: Deutschordenshof mit Zehntscheune 3: Hof des Klosters Retters 4: Hof des Klosters Altenmünster 5: Liebfrauengut 6: Kronberger Hof B: Beune (Gemeindeland) K: Kapelle W: Wed (Brandweiher)

1666:

Von Ostern bis zum 24. August (Fest des Hl. Bartho­lo­mäus) wütet in Zeils­heim die Pest. Im Juni häufen sich die Todes­fälle. In einer Woche gibt es 8 Pest­tote. Schult­heiß Johannes Nix und Hein­rich Oden­thal be­schließen mit allen Be­woh­nern den Ort zu ver­las­sen und auf freiem Feld zu kam­pie­ren. Am 18. Juni ver­las­sen die Zeils­hei­mer mit allen be­weg­lichen Gütern den Ort und ziehen hinaus aufs Feld Rich­tung Münster. Trink­wasser be­kom­men sie aus dem Lach­gra­ben und die Höchs­ter An­to­ni­ter ver­sor­gen sie mit Lebens­mitteln.

Auch draußen auf dem Feld sind die Be­woh­ner vor der Pest nicht ge­schützt, doch es werden hier auch Kinder ge­boren. Ins­gesamt ster­ben 24 Men­schen an der Pest, etwa ein Drittel der Be­völ­kerung, die vor der Epi­demie in Zeils­heim lebten.

Unsere Vor­fahren geloben aus Dank­bar­keit für die Be­en­di­gung der Schreckens­zeit, der Mutter­gottes auf dem Berg bei Hof­heim eine Kirche zu er­rich­ten und jähr­lich am ersten Sonn­tag nach dem 1. Juli eine Pro­zes­sion dort­hin durch­zu­führen. Außer Zeils­heim be­tei­li­gen sich auch die Nach­bar­ge­mein­den Hof­heim, Kriftel, Hatters­heim und Münster.

Die Hof­heimer Berg­kapelle wird 1667 fertig­ge­stellt und seit­dem pilgern die Christen der um­lie­gen­den Ge­mein­den jähr­lich ent­sprechend ihres Ge­löb­nisses „aus Dankbarkeit für die Errettung aus größter Not” nach Hof­heim.

Im Namen der Zeils­heimer Ge­meinde er­wirbt Hein­rich Oden­thal im Jahre 1668 ein Mutter­gotte­sbild, die Pest­madonna, aus Köln.

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Die Pestmadonna von 1668 in voller Kleidung.

Sie befand sich von 1736-1819 in der Michaels­kapelle und steht heute in der Pfarr­kirche.

1668:

Nach dem 30-jäh­rigen Krieg wird im Kur­fürsten­tum Mainz die Gerichts­bar­keit neu ge­regelt. Zeils­heim ver­liert seine Orts­gerichts­bar­keit, die nun vom Hoch­gericht Hof­heim über­nommen wird. Be­rufungs­instanz wird das Hof­gericht in Mainz. Für die Zeils­heimer ist dies jedoch eine große Zu­mutung, da die Gerichts­ver­hand­lungen drei Mal im Jahr ge­halten werden, und alle männlichen Be­wohner des Ortes zu diesen Ver­hand­lungen zu er­schei­nen haben. Da­mit ist der Ort in dieser Zeit völlig schutz­los gegen Über­fälle und Räube­reien, und im Falle eines Feuers besteht die Gefahr, dass der ganze Ort nieder­brennt.

Des­wegen reicht Schult­heiß Johannes Lentz be­reits 1717 bei der kur­fürst­lichen Re­gie­rung den An­trag auf Ent­lassung aus der Hof­heimer Orts­gerichts­bar­keit ein, und 1722 kehrt die Orts­ge­richts­bar­keit nach Zeils­heim zurück. Nur für schwer­wiegende Rechts­ge­schäfte ist jetzt noch das Hoch­gericht in Hof­heim zu­ständig.

1672 - 1678:

Zeils­heim wird im Hollän­di­schen Krieg er­neut durch kriege­rische Aus­ein­an­der­set­zu­ngen in Mit­leiden­schaft gezogen. 1672 brechen unter fran­zö­sischem Kommando ste­hende lothrin­gische und branden­bur­gische Söldner die Kapelle auf, stehlen wert­volle Kult­gegen­stände und ver­bren­nen das Gestühl und die Bänke.

Nach­dem sich Zeils­heim gerade von diesem Über­fall er­holt und das Gottes­haus wieder Instand ge­setzt hat, wird es bereits zwei Jahre später, im Jahre 1674, erneut von lothrin­gischen Dragonern über­fallen, die bei ihrem Über­fall auch den Zeils­heimer Schult­heiß Paul Merz in seiner Wohnung er­morden. Auf diesen Über­fall folgen kurz da­rauf im gleichen Jahr kaiser­liche Truppen, die die Kapelle ver­wüsten und die beiden Glocken mit­nehmen. Die Glocken werden zwei Jahre später in Frank­furt als Diebes­gut be­schlag­nahmt und an die Ge­mein­de in Zeils­heim zurück­ge­geben.

Doch alle diese Er­eig­nisse ver­mögen es nicht, wie es in den Kirchen­büchern ver­merkt ist, „der frommen Volksseele zu schaden”. Auch die Opfer­bereit­schaft der Zeils­heimer war in keins­ter Weise ge­trübt, ließ sich die Ge­mein­de die In­stand­set­zung und Aus­schmückung der Kapelle doch einiges kosten.

1682:

Im Kur­fürsten­tum Mainz wird die all­ge­meine Schul­pflicht ein­ge­führt. Die Ge­mein­den sind dazu an­ge­halten, Ge­bäude zur Unter­rich­tung der Schüler zur Ver­fü­gung zu stellen und einen Dorf­lehrer zu be­schäf­tigen. In Zeils­heim wird erst­mals im Jahre 1683 eine Schule er­wähnt, die sich zu diesem Zeit­punkt im Ge­meinde­haus be­fand. Ein eigenes Schul­haus wird erst im Jahre 1690 in Zeils­heim er­rich­tet. Das Haus stand direkt neben der Kirche und wurde bis 1889 als Schule genutzt.

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Erstes Zeilsheimer Schulhaus („Lehmkaut” genannt)

1690 wurde das Haus zum Schule­halten und als Lehrer­wohnung er­rich­tet. Bis 1834 diente das Ge­bäude gleich­zei­tig als Ge­mein­de­haus. Das Haus wurde 1820 um einen Klassen­raum­trakt er­wei­tert (An­bau rechts) und bis 1889 unter­richt­lich ge­nutzt. Da­nach war es Dienst­wohnung für „un­ver­hei­ra­tete Lehrer” und 1911 bis 1913 katho­lisches Schwesternhaus.

1932 wurde das Gebäude bei der Erweiterung der Kirche abgerissen.

1730:

Nach­dem der Zeils­heimer Schult­heiß Embs bereits 1629 bei den An­to­ni­tern auf eine bessere seel­sorg­liche Be­treu­ung und die Er­rich­tung einer eigenen Pfarrei in Zeils­heim ge­drängt hatte, sich die Si­tu­a­tion je­doch trotz höherer Pfarr­be­sol­dung nicht besserte, verfügt die Kur­fürst­liche Hof­kammer zu Mainz am 26. Juni:

„Gegen eine Jahres­ver­gütung von 30 Malter Korn aus dem Kur­fürst­lichen Zehnten wird die Ver­pflich­tung der Mess­feier an Sonn- und Feier­tagen be­stätigt und auf die vier höchsten Fest­tage des Jahres aus­ge­dehnt.”

1736:

Die Zeils­heimer er­rich­ten zum Dank für die Be­frei­ung von der Pest vor den Toren des Ortes eine kleine Kapelle, die dem Hei­li­gen Erz­engel Michael ge­weiht ist. Die 1668 er­wor­bene Pest­madonna steht seit­dem in der kleinen Michaels­kapelle (heute steht dort nur noch eine Kopie, das Original befindet sich jetzt in der Pfarr­kirche.)

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Die 1736 außerhalb des Ortberings erbaute Michaelskapelle
(Aufnahme von 1950)

1738:

Zeils­heim ist auf über 40 Fa­mi­lien ge­wach­sen und die Kapelle bietet nicht mehr ge­nü­gend Platz für die Gläu­bigen. Daher ge­neh­migt die Kür­fürst­liche Re­gie­rung die Er­wei­te­rung des Gottes­hauses um einen Chor­raum und eine Sakristei.

1741:

Die Er­wei­te­rung der Kapelle von 1738 änderte je­doch nichts an dem all­gemein schlechten Zu­stand des Gottes­hauses. Die Kapelle ist durch die Ge­scheh­nisse der letzten Jahr­zehnte so in Mit­leiden­schaft ge­zogen worden, dass eine voll­stän­dige Sanierung nötig ist, für die die Ge­mein­de aller­dings selber nicht aufkommen kann. Des­halb weist Kur­mainz die Amts­kellerei Hof­heim an, der Ge­mein­de „einen Nach­lass des Zehnten und aller übrigen Ab­gaben zu ge­währen, um die not­wen­digen Repara­turen an dem vom Ver­fall be­drohten Gottes­haus vor­zu­nehmen”.

1755:

Im Main­zer Land­recht wird fest­ge­schrie­ben, dass die Er­rich­tung und Unter­hal­tung von Kirchen und Kapellen finan­ziert werden durch:

  • Zehnt­herr – Chor der Kirche
  • zivile/bürger­liche Ge­mein­de – Turm, Glocken, Uhr
  • Kirchen­fonds/kirch­liche Ge­mein­de – Lang­haus

Dieses Ge­wohn­heits­recht wird später auch von der Herzog­lich Nassau­ischen Landes­regierung über­nommen.

1789:

In Frank­reich bricht, weit weg von Zeils­heim, die Revo­lu­tion aus. Das fran­zö­sische Bürger­tum, das poli­tisch bisher kaum Ein­fluss hatte, fordert seine Rechte. Frei­heit, Gleich­heit, Brüder­lich­keit (Liberté, Egalité, Fraternité) heißt die Parole. Auch in Deutsch­land findet die Idee be­geis­terte An­hänger. Zeils­heim ist von dieser Ent­wick­lung frei­lich wenig be­troffen, wohnen die auf­ge­klär­ten Bürger doch haupt­säch­lich in den Städten und auf dem Land, so auch in Zeils­heim, die einfachen Leute, in der Regel Bauern.

1792 - 1797:

Um das fran­zö­sische König­tum zu schützen bilden Preußen, Öster­reich und Sar­di­nien am 19. Juli 1792 eine Ko­a­li­tion, der sich 1793 auch Groß­bri­tan­nien, Russ­land, Spanien, Por­tu­gal, die Nieder­landen, die Itali­e­ni­schen Staaten, Neapel und die deut­schen Fürs­ten an­schlie­ßen. Im April 1792 er­klärt Frank­reich Öster­reich wegen seiner In­va­sions­dro­hungen den Krieg.

Zuerst ver­läuft der Krieg für die Ko­a­li­tion er­folg­ver­spre­chend, doch bereits im Sep­tem­ber 1792 er­leidet die Ko­a­li­tion eine ent­schei­dende Nieder­lage. Fran­zö­sische Re­vo­lutions­truppen dringen unter der Losung „Krieg den Palästen, Frieden den Hütten!” bis an den Rhein vor und be­setzen die Festung Mainz. Brand­schat­zend und plün­dernd dringen sie über den Rhein bis nach Frank­furt vor, das am 22. Oktober 1792, in der Wähnung seiner Neu­tra­lität, frei­willig über­geben wird und die fran­zö­sischen Re­pres­sa­lien nur gegen eine Zahlung von zwei Millionen Gulden ab­wenden kann.

Der Mainzer Kur­fürst, seine „Armee” besteht aus 26 Generälen und sechs aus­ge­bil­deten Kompanien, ver­mag sein Land kaum zu schützen, und so wird auch Zeils­heim von fran­zö­sischen Truppen be­setzt. Das kleine Dorf leidet er­heb­lich unter den Besatzern, muss es doch durch­zie­hende Truppen be­her­bergen und ver­pflegen, Pferde mit Stroh, Hafer und Wasser ver­sorgen und oft auch Hand­werker- und Spann­dienste leisten. Außer­dem wird das 1741 gerade erst re­no­vierte Gottes­haus von den fran­zö­sischen Truppen als Brot- und Getreide­speicher miss­braucht, und „das Dach mit­samt Vor­bau mit ge­wor­fenen Steinen ruiniert”. Erst durch den Kriegs­ein­tritt Groß­bri­tan­niens wendet sich das Kriegs­glück wieder, und die Ko­a­li­tion ge­winnt wieder die Ober­hand. Am 22. Juli 1793 wird das be­setzte Mainz durch hessische und preußische Truppen be­freit.

Nach der fran­zö­sischen Heeres­reform von 1794, ändert sich die Si­tu­a­tion jedoch wieder, und die Ko­a­li­tion muss eine Nieder­lage nach der anderen hin­nehmen. Im Herbst 1795 dringt der fran­zö­sische General Jourdan mit 18.000 Soldaten in den Main­gau vor und lagert mit seinen Truppen in den um­lie­genden Orten, darunter auch in Zeils­heim. Um nicht von an­rückenden Ko­a­li­tions­truppen ein­ge­schlossen zu werden, verlässt er die Ge­gend je­doch sehr schnell wieder. Dafür quar­tieren sich dann jedoch öster­rei­chi­sche Truppen in unserer Gegend ein.

Nach den Friedens­schlüssen bekommt Frank­reich das ge­samte linke Rhein­ufer zu­ge­sprochen. Mainz wird als „Mayence” für 16 Jahre franz­ös­isches Territorium. Das Kur­fürsten­tum Mainz zu dem auch Zeils­heim gehört wird für diese Zeit von Aschaffen­burg aus regiert.

1798 - 1802:

Nach­dem Groß­bri­tan­nien, Russ­land, Öster­reich, das Os­ma­ni­sche Reich, Neapel und Por­tu­gal eine neue 2. Ko­a­li­tion gegen Frank­reich ge­schlossen haben, be­setzen fran­zö­sische Truppen das Ober­amt Höchst mit allen dazu­ge­hörenden Ort­schaften, also auch Zeils­heim. Das Kur­fürsten­tum Mainz mobili­siert den Land­sturm. Zum Teil mit Dresch­flegeln und Sensen aus­ge­rüstete Männer leisten den fran­zö­sischen Truppen bei Höchst in mehreren Ge­fechten er­bit­tert Wider­stand, müssen aber am 4. Juli 1800 der feind­lichen Über­macht weichen. Zeils­heim bleibt bis 1801 zusammen mit dem Ober­amts­bezirk Höchst in der Hand der Franzosen.

Im Frieden von Lune­ville wird das Ende der fran­zö­sischen Re­vo­lu­tions­kriege be­siegelt und die Neu­ord­nung Mittel­europas fest­gelegt. Frank­reich be­hauptet seine links­rhei­ni­schen Ge­biete und baut sich in den um­lie­genden Staaten ein Satelliten­system auf.

1803:

Durch die Säkulari­sation wird die Anto­niter­nieder­lassung in Höchst sowie der ge­samte Anto­niter­orden auf­gelöst. Auch das geist­liche Kur­fürsten­tum Mainz fällt der Sä­ku­la­ri­sation zum Opfer; Mainz ver­liert außer­dem seinen Erz­bischof­sitz und ist seit­dem nur noch Sitz eines Suffragan­bischofs. Die Ge­biete des Kur­fürsten­tums werden unter den welt­lichen Fürsten­tümern auf­ge­teilt, wobei das Gebiet um Zeils­heim an das Fürsten­tum Nassau-Usingen fällt.

Fürst Karl Wilhelm hat es je­doch be­sonders eilig, als Er­satz für die ver­lo­renen links­rhei­ni­schen Gebiete Ent­schä­di­gungen zu er­halten und nimmt be­reits am 11. Oktober 1802 das Ober­amt Höchst, die Reichs­de­pu­tier­ten be­schließen dies erst am 25. Februar 1803, in Besitz. Die Huldigung der neuen Amts­unter­tanen er­folgt am 2. Dezember 1802. 1803 werden die beiden nassau­ischen Fürsten­tümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zum Fürsten­tum Nassau ver­einigt, das 1806 von Napoleons Gnaden zum Herzog­tum erhoben wird. Der neue Staat um­fasst eine Fläche von 4.708 km² und reicht von der Weser bis zum Rhein und vom Hohen Wester­wald bis hinunter zum Main. Seine 305.000 Bewohner leben noch zu 90 % auf dem Land.

Durch ein Dekret der neuen Fürst­lich Nassau­ischen Re­gie­rung wird Zeils­heim mit eigenem Gottes­dienst als Pfarr­vikarie (Filial­kirche) der Pfarrei Höchst von Welt­geist­lichen betreut und auch in finan­ziellen Dingen schafft die neue Re­gie­rung schnell voll­endete Tat­sachen. Die von Kur­mainz er­erbte Schulden­last in Höhe von 433.488 Gulden, 4 Kreuzern und 1 Pfennig wird nicht vom Nassau­ischen Fiskus über­nommen, sondern auf die ehe­ma­ligen kur­main­zi­schen Orte ent­sprechend ihrer Ein­wohner­zahl verteilt.

1805 / 1806:

Vom 3. Ko­a­li­tions­krieg wird Zeils­heim nicht un­mittel­bar be­rührt. Krie­ge­rische Aus­ein­an­der­set­zungen werden nicht im Rhein-Main-Gebiet geführt. Aller­dings kommt Zeils­heim als Nassau­isches Terri­torium bei der Bildung des Rhein­bundes 1806, einem fran­zö­sischen Satelliten­system, unter fran­zö­sischen Ein­fluss. Dar­über hin­aus legt der römisch-deutsche Kaiser Franz II. 1806 die Kaiser­krone nieder. Da­mit endet die bald 1000-jährige Ge­schichte eines deutschen Staates.

ab 1808:

Die Herzog­lich Nassau­ische Re­gie­rung hebt die Leib­eigen­schaft mit allen da­zu­ge­hörigen Ab­gaben auf. Da­mit be­ginnt eine Zeit großer Re­formen im Herzog­tum Nassau, die haupt­säch­lich das Werk des naussau­ischen Staats­manns Karl von Ibell sind. So wird 1809 die Steuer­ge­setz­gebung re­for­miert und die Steuer­last unter Be­sei­ti­gung der Pri­vi­le­gien des Adels ge­rech­ter ver­teilt, und 1810 folgt das Frei­zügig­keits­ge­setz, nach dem jeder Nassauer seinen Wohn­sitz frei wählen kann.

1812 - 1814:

Frank­reich greift nach dem Zu­sammen­bruch Preußens mit 700.000 Soldaten, da­runter auch Nassau­ischen Streit­kräften, Russ­land an, doch wird es im Winter vor Moskau ent­schei­dend ge­schla­gen. Be­reits seit Sep­tem­ber 1812 sind über 15.000 ver­letzte Soldaten im Ober­amt Höchst ein­quar­tiert und warten auf ihren Weiter­trans­port nach Frank­reich. Fast jedes Haus gleicht einem Lazarett.

An­ge­sichts der Nieder­lage der fran­zö­sischen Armee vor Moskau bilden Preußen und Russ­land eine neue 4. Ko­a­li­tion gegen Frank­reich, der sich später auch Öster­reich und Groß­bri­tan­nien an­schließen. In der Völker­schlacht bei Leipzig kommt es vom 16. bis 19. Okto­ber 1813 zur ent­schei­den­den Schlacht zwischen der Ko­a­li­tion und Napo­leon, die mit der Nieder­lage Napo­leons endet. Schon donnern einige Tage später im Rhein-Main-Gebiet die Kanonen, als die Truppen der Ko­a­li­tion ver­suchen Napo­leon bei Hanau ab­zu­fangen. Doch Napo­leon ge­lingt der Durch­bruch und er ver­bringt am 1. Novem­ber 1813 im Bolongaro­palast in Höchst seine letzte Nacht auf Deut­schem Boden.

Noch schlimmer kommt es für die um­lie­gen­den Orte aller­dings, als auf die ge­schla­genen Franzosen die sieg­reichen Truppen der Ko­a­li­tion folgen. Am 4. Novem­ber sprengen russische Kosaken mit ge­zo­genen Krumm­säbeln durch die Fluren und plündern die letzten Vor­räte. Auf sie folgen russische Infanteristen und preußische und österreichische Kavalle­risten. Am 11. Novem­ber sind in Zeils­heim 25 russiche Offi­ziere mit 1.200 Soldaten und 100 Pferden unter­ge­bracht. In jedem Haus liegen 25-30 Mann. Trotz Be­schwerden und einem Befehl des preußischen General­feld­marschalls Blücher vom 20. Novem­ber, in dem er sich in scharfer Form gegen die Zu­stände richtet, bleiben die Ein­quar­tie­rungen noch bis Januar 1814 in dieser Form bestehen. So muss Zeils­heim noch­mals schwer unter den Repres­salien der Ein­quar­tie­rung leiden.

1816 / 1817:

Der Hain­graben, der das Dorf um­gibt wird ein­ge­ebnet, und die beiden Pforten, die den Durch­gangs­verkehr regeln werden ab­ge­brochen. Der Hain­graben war mit Wasser gefüllt und auf seiner Innen­seite von Bann­zäunen und Hecken­ge­flecht umgeben. Die beiden Pforten standen an den beiden Orts­ein­gängen.

Sie waren über die Haupt­straße, heute Alt–Zeils­heim, verbunden. Die Unter­pforte stand dort, wo heute der Kol­berger Weg in Alt-Zeils­heim ein­mündet und die Ober­pforte dort, wo heute die Pfaffen­wiese beginnt direkt neben der Michaels­kapelle.

Ob­wohl sich mit der Nieder­legung der Pforten­an­lagen und der Ein­ebnung des Hain­grabens das Bild einer kleinen Dorf­festung grund­legend ver­ändert hat, bleibt die ge­schlos­sene Be­bauung des Ort­berings noch über Jahr­zehnte er­halten. Erst­mals sind auf einer Karte von 1867 einige Häuser außer­halb des Orts­kerns zu erkennen. Diese gering­fügige Orts­er­wei­te­rung spiegelt sich auch in der Ein­wohner­statistik wieder. Von 1820 bis 1875 nimmt die Be­völ­ke­rung nur um 57 Ein­wohner, d. h. un­wesent­lich zu. Zeils­heim bleibt da­mit im Ver­gleich zu anderen Orten er­heb­lich zurück.

1816 - 1819:

Zu Be­ginn der Nassau­ischen Zeit ist die Zeils­heimer Kirche, nicht zuletzt durch die Ge­scheh­nisse von 1795, so bau­fällig, dass für die Nassau­ische Re­gie­rung nur noch ein Ab­riss und Neu­bau in Frage kommt. Des­halb wird das alte Gottes­haus auf Ab­bruch ver­stei­gert.

Der Nas­sau­ische Bau­inspek­tor Jo­hann Chris­ti­an Zais wird mit der Bau­pla­nung für eine neue Kirche be­auf­tragt. Das neue Gottes­haus wird als klassi­zis­tisches Bau­werk, eine da­mals üb­liche Stil­art, in der von Jo­hann Chris­ti­an Zais auch die Kirche St. Dio­ny­si­us in Kelk­heim-Müns­ter er­rich­tet wurde, ge­plant.

Im Zuge der Bau­ar­beiten wird das er­höhte Ge­lände ab­ge­tragen und der Fried­hof an den süd­öst­lichen Orts­aus­gang ver­legt. Der Neu­bau der Kirche wird Ende 1818 fertig­ge­stellt und 1819 ein­ge­segnet. Die Kosten für den Bau der Kirche betragen 9.915 Gulden und 13 Kreuzer.

Der barocke, noch heute in der Kirche stehende Hoch­altar, stammt aus dem 18. Jahr­hundert. Seine Her­kunft ist aller­dings nicht be­kannt. Da das Geld für neue Glocken nicht vor­handen ist werden vor­läufig die Glocken aus der alten Kirche über­nommen und erst 1870 durch neue Glocken ersetzt.

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Pfarrkirche St. Bartholomäus
(Aufnahme von 1907)

1819:

Das Herzog­tum Nassau führt die Ge­werbe­frei­heit ein, wo­durch alle Zwänge der Zunft­ver­fassung ent­fallen. Ab 1826 können die Ein­heimischen auch ein Ge­werbe außer­halb ihres Wohn­ortes be­treiben, was bis zum da­ma­ligen Zeit­punkt nicht möglich war.

1821:

Zum ersten Mal er­hält die Zeils­heimer Kirche eine eigene Orgel. Die Orgel wird für 280 Gulden von der evan­ge­lischen Ge­meinde in Na­stät­ten erworben. Diese Schleif­laden­orgel steht bis zur An­schaf­fung einer neuen Orgel im Jahre 1862 in der St. Bartholo­mä­us­kirche und da­nach bis 1986 in der Hof­heimer Berg­kapelle. Nach der An­schaf­fung einer neuen Orgel für die Berg­kapelle schenkt die Hof­heimer Pfarrei Zeils­heim zum 100-jäh­ri­gen Be­stehen der Pfarr­ge­meinde im Jahre 1988 fünf Pfeifen der alten Orgel, die heute in einem Schau­kasten im Pfarr­ge­meinde­zentrum zu be­wundern sind.

1827:

Auf dem Ge­biet des Herzog­tums Nassau wird ein neues Bistum ge­gründet, das Bistum Lim­burg. Kathedral­kirche des neuen Bistums ist der 1235 geweihte St. Georgs-Dom in Lim­burg. Zeils­heim, seit 1803 Nassau­isches Ge­biet, wechselt von der Diö­zese Mainz, die seit­dem das Ge­biet des Groß­herzog­tums Hessen-Darm­stadt um­fasst, zur Diö­zese Lim­burg.

Die Planungen zur Er­rich­tung dieses eigenen Nassau­ischen Staats­bistums gehen zurück bis auf die Zeit von 1803, scheiterten aber immer wieder an inneren Un­stimmig­keiten und den Pro­ble­men durch die fran­zö­sische Be­satzung. Auch nach dem Wiener Kongress können sich die Kirche und Nassau nicht über die Er­rich­tung des Bistums einigen, bis es 1927 end­lich zu einer Über­ein­kunft kommt und Lim­burg als neues Bistum in Deutsch­land ge­gründet wird.

1835:

Zeils­heim wird auf Be­schluss der Landes­re­gie­rung und im Ein­ver­nehmen mit dem Bischöf­lichen Ordina­riat der Pfarrei Hof­heim zu­ge­wiesen. Be­gründet wird die Ent­schei­dung mit der „be­deut­samen Ent­fer­nung des Filials von dem Pfarr­orte und des be­schwer­lichen Weges von Höchst nach Zeils­heim”.

Ob­wohl die Zeils­heimer heftig pro­tes­tie­ren und ihrer­seits von der Kirche an ge­rechnet, 170 Schritte weniger nach Höchst er­mit­teln, bleibt es bei der ge­trof­fenen Ent­schei­dung. So­mit können die Zeils­heimer nur noch auf die Er­fül­lung der seit 200 Jahren erhobenen For­de­rung nach der Er­rich­tung einer eigenen Pfarrei hoffen.

1836:

Das Herzog­tum Nassau tritt dem Deut­schen Zoll­verein bei. Durch den Zoll­verein werden über­holte Wirt­schafts­struk­turen und über­höhte Handels­spannen ab­ge­baut. Den­noch gilt Nassau bei seinen Nach­barn als unter­ent­wickel­tes Land, läuft doch ein be­trächt­licher Teil seines Handels über das reiche Frankfurt, das im Gegen­zug je­doch nicht da­ran denkt in das rück­ständige Hinter­land zu in­ves­tieren. So bleibt Nassau trotz tief­grei­fender Re­formen ein be­schei­dener Agrar­staat.

1839:

Mit der Taunus­bahn, der Eisen­bahn­linie von Frank­furt nach Wies­baden, gibt es in Nassau ein neues Ver­kehrs­mittel. Aller­dings werden erst nur die großen Amts­orte an das Ver­kehrs­netz an­ge­bun­den, während die kleinen Orte wie Zeils­heim oder Sind­lingen, die auch an der Bahn­linie liegen, keinen eigenen Halte­punkt er­halten.

1848 / 1849:

Im Rahmen der nationalen Er­he­bung der deut­schen Be­völ­ke­rung, die durch die Februar­un­ruhen in Frank­reich aus­ge­löst wurde, wird auch das Herzog­tum Nassau in Mit­leiden­schaft ge­zogen. Aus­ge­löst durch wirt­schaft­liche Not und po­li­ti­sche Un­zu­läng­lich­keiten ziehen am 4. März 1848 40.000 Nassauer vor das Herzog­liche Schloss in Wies­baden, da­runter auch Hunderte aus dem Amts­bezirk Höchst. Die mit Flinten, Säbeln und Sensen be­waf­fne­ten Männer ziehen erst wieder ab, nach­dem die Re­gie­rung ihren For­de­rungen nach­gibt. Dazu zählt unter anderem die bereits seit 1817 ver­sprochene, aber immer wieder auf­ge­schobene Ab­lösung der Zehnt­pflichtig­keit. Nach dem Gesetz vom 24. Dezember 1848 ist die Zehnt­pflichtig­keit mit einem Be­trag vom 14-fachen der Jahres­be­lastung, für Zeilsheim 47.693 Gulden, ab­zu­lösen.

Parallel zu den Ge­scheh­nissen in Nassau tagt in Frankfurt die National­ver­samm­lung. Auf­gabe der National­ver­samm­lung soll die Schaffung einer Ver­fassung und eines gemein­samen Deutschen Staates sein. Im März 1849 wird die Reichs­ver­fassung durch die Abgeordneten an­ge­nommen, doch die Frage, wie das Deutsche Reich in seinen Grenzen aus­sehen soll, teilt die National­ver­samm­lung in verschiedene Lager. Am Ende setzt sich die sogenannte „Klein­deutsche Lösung” durch, die vorsieht, alle deutschen Staaten, Deutsch–Österreich und Luxemburg in das Reich mit­ein­zu­be­ziehen, während das rest­liche, ungarische Öster­reich nicht Teil des Reiches wäre.

Als erb­lichen Kaiser des Reiches wählt die National­ver­samm­lung den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., der die ihm an­ge­tragene Ehre jedoch ablehnt. Darauf ziehen Preußen und Öster­reich ihre Ab­ge­ordneten ab. Die rest­lichen Ab­ge­ordneten ver­suchen ver­zweifelt, doch noch eine Lösung zu finden; jedoch scheitern alle Ver­suche und damit auch die Hoff­nungen, ein neues Deutsches Reich zu schaffen.

Die Re­vo­lu­tion bringt jedoch eine kleine Li­be­ra­li­sie­rung der bis da­hin absolutis­tischen Systeme. In Nassau erlässt der Herzog unter dem Druck der im ganzen Herzog­tum aus­ge­broche­nen Un­ruhen eine neue Gemeinde­ordnung, nach der die amtierenden Schult­heißen ab­be­rufen werden und alle Nassauer ihre Orts­vor­steher, jetzt Bürger­meister genannt, selbst wählen dürfen. Die Wahlen hierzu finden frei statt, allerdings sind nur die männ­lichen Bürger wahl­be­rech­tigt. Bürger kann in Zeils­heim nur sein, wer sich in den Bürger­stand ein­ge­kauft hat. Da­für müssen Ein­hei­mische 10 Gulden und Zu­ge­zogene 60 Gulden zahlen. Bürger­geld wird in Zeils­heim noch bis 1919 er­hoben.

1854:

Bereits fünf Jahre nach den Re­for­men von 1849 be­schnei­det der Herzog die Selbst­ver­waltungs­rechte der Ge­mein­den ganz enorm und erlässt eine neue Wahl­ordnung. Die Bürger­meister und Gemeinde­räte können zwar nach wie vor ört­liche An­gelegen­heiten selbst regeln, Be­schlüsse jedoch erst nach Weisung der Herzog­lichen Ämter fassen. Für Zeils­heim ist hier­bei das Herzog­liche Amt Höchst zuständig. Außer­dem wird das Drei­klassen­wahl­recht ein­ge­führt, bei dem die Zu­ge­hörig­keit der Bürger zu den einzelnen Klassen nach der Höhe ihres Steuer­auf­kommens bemessen wird.

In Zeils­heim gibt es zu diesem Zeit­punkt 62 Bürger, die wahl­berech­tigt sind. Davon gehören 5 Bürger zur I. Wahl­klasse (73-90 Gulden Jahres­steuer), zur II. Wahlk­lasse (34-73 Gulden Jahres­steuer) 9 Bürger und 48 Bürger zur III. Wahl­klasse (0-34 Gulden Jahres­steuer). Diese müssen insgesamt 9 Wahl­männer (3 pro Klasse) nomi­nieren, die dann zusammen mit den 3 Ge­mein­de­räten den neuen Bürger­meister wählen.

Während sich in den beiden ersten Klassen nur alt­ein­ge­ses­sene Bauern be­finden, sind in der III. Klasse auch 14 Hand­werker und Händler sowie 5 Fabrik­arbeiter und 5 Tage­löhner ver­treten. Da jede Klasse je­doch gleich viele Wahl­männer stellt, liegt es auf der Hand, dass nur der Kandidat Bürger­meister von Zeils­heim werden kann, der auch von den alt­ein­ge­sessenen Zeils­heimern ak­zep­tiert wird. Diese Wahl­ordnung wird 1866 von den Preußen über­nommen und bleibt bis 1919 in Kraft.

1863:

Mit 66.450 Gulden Start­kapital gründen in Höchst die Herren Wilhelm Meister und Dr. Eugen Lucius mit August Müller als Teil­haber die che­mi­sche Fabrik „Meister, Lucius & Co.”. 1864 scheidet August Müller als Teil­haber aus dem Unter­nehmen aus und Dr. Adolf Brüning tritt an seine Stelle. Die Firma ändert ihren Namen in „Meister, Lucius & Brüning”. Das Unter­nehmen wächst immer mehr an und wird schon bald zum größten Arbeit­geber der Region.

Am 1. Januar 1880 wird die Firma in eine Aktien­gesell­schaft um­ge­wandelt und nennt sich fort­an „Farb­werke Hoechst AG, vorm. Meister, Lucius & Brüning”.)

1866:

Zwischen Preußen und Öster­reich kommt es wegen der Frage der po­li­ti­schen Vor­herr­schaft im Deut­schen Bund zum Krieg. Die deut­schen Staaten treten alle in den Krieg ein. Auf Seiten Preußens stehen fast alle nord­deut­schen Staaten, auf Seiten Öster­reichs kämpfen alle süd­deut­schen Staaten, dar­unter auch das Groß­her­zog­tum Hessen-Darm­stadt, das Kur­fürsten­tum Hessen-Kassel und das Her­zog­tum Nassau, sowie die Freie Reichs­stadt Frankfurt.

Preußen und seine Ver­bün­deten ent­schei­den den Deutschen Krieg mit dem Sieg über die han­no­ver­sche Armee bei Langen­salza und Öster­reich bei Königs­grätz für sich. Preußen an­nek­tiert alle geg­ne­rischen Staaten nörd­lich der Main­linie außer Sachsen und Hessen-Darm­stadt. Zeils­heim kommt damit als Nassau­ische Ge­meinde zu Preußen. Aus dem Her­zog­tum Nassau und dem Kur­fürsten­tum Hessen-Kassel wird die Provinz Hessen-Nassau mit Sitz der Provinz­re­gie­rung in Wies­baden ge­bildet.

Während des Krieges sind in Zeils­heim zu­erst Teile der nassau­ischen Truppen ein­quar­tiert, später dann, nach der Kapi­tu­lation Nassaus, preußische Soldaten.

Bild zu Text

Zeils­heim auf der „König­lich-Preu­ßischen Landes­aufnahme 1:25000”
von 1867 und 1904

Während auf der älteren Karte noch deut­lich die über Jahr­hun­derte ge­wachsene, dorf­festungs­artige Orts­struk­tur fast un­ver­ändert zu er­kennen ist, zeigt die Auf­nahme von 1904 die um die Jahr­hundert­wende er­folgten Orts­erweite­rungen der „Kolonie”.