Frankfurt am Main-Zeilsheim

Geschichte

Frühgeschichtliche Zeit bis Dreißigjähriger Krieg

um 40.000 v. Chr.:

Wo heute im Taunus­vorland aus­ufernde Stadt­land­schaften enden, verlief vor Jahr­millionen die Küsten­linie eines sub­tropischen Meeres. Nach seinem Abfluss er­hielt unsere Heimat im Eis­zeit­alter ihre end­gültige, noch heute sicht­bare Ober­flächen­gestalt.

Diese Zeit ist geprägt von starken Klima­schwan­kungen, die tief­grei­fende Ver­ände­rungen im Land­schafts­bild hinter­lassen. Reißende Schmelz­wasser ver­frachten ge­waltige Schotter­massen in die eis­freien Räume und bilden dort aus­ge­dehnte Moränen­flächen und gleich­zeitig lösen orkan­artige Stürme staub­feines Erosions­material aus dem Gesteins­schutt und tragen es über weite Strecken hin in die Wetterau und die nördliche Main­terasse, so auch die Zeils­heimer Ge­markung, wo es als fruchtbare Löss­schicht den Boden bedeckt.

Mit be­ginnender Wärme­zeit ent­wickeln sich hier aus­gedehnte Misch­wälder aus Eichen, Ulmen, Eschen, Linden und Hain­buchen. Hier ist der Lebens­raum zahl­reicher Groß­tiere wie Ren, Höhlen­bär, Mammut, Woll­nas­horn, Riesen­hirsch, Wild­pferd und -rind, aber auch des Ur­menschen. Er ist ein unsteter Jäger, Fischer und Sammler. Sein wich­tigster Ge­brauchs­gegen­stand ist der Faust­keil, Waffe und Werk­zeug zugleich. Erst­mals nach­weis­bar durch­zieht er um 40.000 v. Chr. – in der Alt­stein­zeit, die mit 500.000 Jahren der längste Zeit­ab­schnitt der Mensch­heits­ge­schichte ist – unsere Gegend. Stets auf der Suche nach Nahrung, folgt er hierbei den Spuren des Wildes.

um 8.000 v. Chr.:

Das Eis weicht aus unserer Ge­gend end­gül­tig zurück und mit ihm ver­schwin­den auch die eis­zeit­lichen Lebens­formen. Der Mensch wird in der Jung­stein­zeit sess­haft und seine Existenz­grund­lage bilden der Acker­bau und die Vieh­zucht.

Dazu müssen die Menschen jedoch ge­waltige Rodungs­arbeiten leisten, denn noch be­decken dichte Wälder die ge­samte Land­schaft unserer Heimat. Zunächst schieben sich diese Brand­rodungs­inseln ent­lang der Flüsse und Bäche vor, denn auf den Ufer­terassen sind die Be­dingungen für den Acker­bau am günstigsten. Hier gibt es frucht­bare Böden, aus­reichend Trink­wasser und gute Weiden für das Vieh.

Auch die Zeils­heimer Ge­markung zählt ver­mutl­ich zu den Alt­siedlungs­räumen im Taunus­vor­land, wie ein jung­stein­zeit­liches Hocker­grab, das 1939 bei Kanal­arbeiten im Blanken­burger Weg entdeckt wurde und Geräte­funde am Lach­graben, be­legen. Diese ersten Siedler kennen bereits mehrere Getreide­arten und ver­schiedene Gemüse­sorten. Das wich­tigste Haus­tier ist das Rind und daneben züchten sie Schafe, Ziegen und Schweine und halten sich Hunde, während das ge­zähmte Pferd noch un­be­kannt ist.

Mit dem Aus­bau der jung­stein­zeit­lichen Kultur entwickelt sich ein be­schei­denes Wege­netz ent­lang der Täler. Hinter dem be­bauten Land, etwa ab 300 m Höhe, beginnt die wald­bedeckte, menschen­leere Region. Man treibt mit den Mittel­meer­völkern regen Waren­tausch und über­nimmt von ihnen die Töpferei. Sie bringt zwar einen großen Kultur­fort­schritt, doch ändern sich die Lebens­ge­wohn­heiten der Menschen kaum. Die Töpferei zeigt jedoch Merk­male, die heute zur Unter­schei­dung der einzelnen Kulturen dienen. Der Höhe­­punkt davon ist die Glocken­becher­kultur, die ab etwa 2000 v. Chr. ent­stand.

ab 1.800 v. Chr.:

Bereits in der Glocken­becher­kultur wurde ver­einzelt Kupfer als Ge­brauchs­metall verwandt, doch erst die Er­fin­dung der Bronze, einer Le­gierung aus Kupfer und Zinn, bringt einen tech­nischen Fort­schritt. Mit ihm beginnt um 1800 v. Chr. die Bronze­zeit. Über­reste der späten Bronze­zeit sind auch in Zeils­heim bekannt.

ab 800 v. Chr. :

Mit dem Be­ginn der Eisen­zeit be­schränkt sich die Bronze zu­neh­mend auf den Schmuck­sektor, während das Eisen für Waffen und Werk­zeuge ver­wandt wird. Erst­mals tritt mit den Kelten eine kultur­tragende Volks­gruppe nament­lich in Er­schei­nung.

um 400 v. Chr. :

In der jüngeren Eisen­zeit siedeln die Kelten auch in unserer Ge­gend und ent­wickeln sich vor der Zeiten­wende zum be­herr­schenden Volk Mittel­europas. Mit den großen Völkern im Mittel­meer­raum, den Etruskern, Griechen und Römern, stehen sie in regem Kultur­aus­tausch, von denen sie Kelten oder Gallier genannt werden.

Die Kelten sind nicht nur ge­fürch­tete Krieger, sie kennen auch die Töpfer­scheibe, be­herr­schen die Glas­her­stellung und be­sitzen in der Metall­ver­ar­bei­tung höchste Fähig­keiten.

Nach 50 v. Chr. zer­fällt die keltische Herr­schaft jedoch all­mählich. Von Norden und Osten be­drängen germa­nische Volks­stämme und von Süd­westen römische Le­gio­nen das Land der Kelten. Den Kelten fehlt es an der Kraft zur Ver­tei­di­gung, da sie durch innere Stammes­kämpfe ge­schwächt sind. Sie weichen nach Westen aus oder ver­mischen sich mit den Ein­dring­lingen.

12 v. Chr. - 9 n.Chr. :

Nach­dem die Römer im Anschluss an die Er­obe­rung Galliens zu­nächst an der Rhein­grenze ver­harr­ten, über­schrei­ten sie auf Ge­heiß Augustus' den Rhein. Damit be­ginnt die kurze Ge­schich­te einer römischen Pro­vinz Ger­manien, die be­reits 21 Jahre später mit der Ver­nich­tung von drei römischen Le­gio­nen enden sollte.

Im Jahre 12 v. Chr. führt Augustus' Stief­sohn Drusus von Castra Vetera (Xanten) aus einen Feld­zug gegen die Cherusker und dringt von Mogon­tiacum (Mainz) aus bis an die Elbe vor, wo er 9 v. Chr. nach Kriegen gegen die Marko­mannen stirbt. Im Jahre 9 v. Chr. über­schre­iten die Römer den Rhein erneut bei Mainz und dringen bis in die Wetterau vor. In Höchst und Bad Nau­heim legen sie Erd­kastelle an. Bereits ein Jahr später, also 8 v. Chr. greift Augustus' anderer Stief­sohn und dessen Nach­folger Tiberius erneut die Germanen an und dringt bis an die Elbe vor.

Im Jahre 6 n. Chr. schließt Tiberius mit den Cheruskern einen Friedens­ver­trag und unter­wirft die Lango­barden. Im Laufe seines Kommandos in Germanien lässt er bis 8 n. Chr. in den er­ober­ten Ge­bieten Straßen bauen, er­rich­tet eine Provinz­ver­waltung und sichert die neu­ge­wonnenen Gebiete durch Legions­lager.

In der Schlacht im Teuto­burger Wald 9 n. Chr. jedoch werden drei römische Le­gio­nen unter dem Kommando des römischen Feld­herren Varus von den Cheruskern unter Arminius ver­nich­tet. Damit endet die kurze Ge­schich­te der römischen Provinz Germanien und die Römer ziehen sich wieder hinter die Rhein- und Donau­grenze zurück.

um 40 - 83:

Die Römer geben ihre Ver­suche in Ger­manien Fuß zu fassen je­doch nur teil­weise auf. Um die Rhein-Donau-Grenze besser sichern zu können, ver­suchen sie unter den fol­gen­den Kaisern immer wieder das zwischen Rhein und Donau ge­le­gene Gebiet vom Taunus entlang des Mains bis un­gefähr Würz­burg und weiter nach Süden zur Donau zu er­obern. Des­halb werden in unserer Gegend immer wieder neue Kastelle angelegt. Hierbei legen sie auch in Hofheim ein Erd­kastell an, das die Chatten jedoch schon wenig später wieder zerstören, und um 80 bauen die Römer eine Militär­straße von Castellum Mattia­corum (Mainz-Kastel) durch die Zeils­heimer Ge­mar­kung in die Wetterau und nach Nida (in der Nähe des heu­tigen Frank­furt-Heddern­heim).

Da die Chatten, ein äußerst kriege­rischer Ger­manen­stamm, den Römern immer wieder mit An­griffen zu­setzen, be­ginnt Kaiser Ves­pa­sian 75 einen groß­an­ge­legten Feld­zug gegen die Ger­manen, der je­doch zu keinem Er­folg führt. Sein Nach­folger Do­mi­tian ver­sucht die Chatten im Chatten­krieg zu besiegen, doch auch dieser Krieg führt zu keinem Er­geb­nis, da sich die Chatten nicht zur offenen Schlacht stellen, sondern immer wieder mit kleinen An­grif­fen den Römern zusetzen. Daher ist dies auch der letzte größere Vor­stoß gegen die Ger­manen in unserer Gegend.

ab 83:

Trotz dieser Si­tua­tion bauen die Römer Zie­ge­leien west­lich der Nidda auf, von denen auch in unserer Ge­gend bei Aus­gra­bungen Teile entdeckt wurden. Die Römer sichern das er­ober­te Land mit einer Grenz­schneise. Der mit Holz­türmen, Kastellen, Pa­li­saden, Wall und Gräben immer stärker be­fes­tig­te Limes wird schließ­lich Nord­grenze des Reiches. Unsere Ge­gend wird als römische Provinz Ger­mania Supe­rior (Ober­ger­manien) Teil des Römischen Reiches.

ab 115:

Unter Kaiser Trajan werden das Heer und die Ver­wal­tung in den be­setz­ten Ge­bieten um­orga­ni­siert. Die Hinter­land­kastelle werden auf­gelöst und die Truppen­verbände in die aus­ge­bauten Limes­kastelle vor­ver­legt. Im Hinter­land wird eine Zivil­ver­wal­tung ein­ge­führt. Unsere Ge­gend ge­hört dabei zur Civitas Tau­nen­sium mit Ver­wal­tungs­sitz in Nida. Während sich in den Lager­dörfern der auf­ge­ge­benen Kastelle Händ­ler und Hand­werker nieder­lassen, wird das frucht­bare Land ver­messen und ver­dien­ten Vete­ranen, aber auch ein­hei­mischen und galli­schen Kolo­nisten zum An­bau über­lassen.

Hier ent­stan­den kleine Einzel­höfe mit etwa 100 ha Land, deren Ge­bäude, die so­genann­ten Villae Rusticae, nach Art und Aus­stat­tung vom ein­fachen bis zum vor­nehmen Land­haus reichen, jedoch keines­falls Pres­tige­villen im heu­tigen Sinne waren, sondern solide Bauern­höfe ab­seits der Straßen, wie sie auch heute noch ähn­lich im ober­ita­lie­nischen Raum zu finden sind.

Beider­seits der durch die Zeils­heimer Ge­mar­kung führen­den Militär­straße lassen sich auch auf Zeils­heimer Gebiet der­ar­tige Guts­höfe nach­weisen. 1958 fand man nörd­lich der Straße an der Müns­terer Ge­mar­kungs­grenze die Reste einer Gebäude­gruppe von 60 × 80 m Aus­deh­nung, die ein­deu­tig als römisch be­stimmt werden konnten und süd­lich der Straße an der Krif­teler Ge­mar­kungs­grenze Reste von Ge­bäuden etwa gleicher Aus­deh­nung. Ein weiteres Ge­bäude wurde etwa 200 m nördlich der Straße im Flurbereich « Vor den Wein­gärten » ent­deckt. Seine Ein­ordnung ist aller­dings um­strit­ten. Es könnte ent­weder ein ein­faches Land­haus oder aber auch ein üb­liches Rast­haus (Mansio) oder eine Station der Straßen­polizei (Beneficar) ge­wesen sein.

ab 162:

Bereits in der Blüte­zeit des Im­pe­ri­ums gibt es An­zei­chen für den Nie­der­gang und Zer­fall des Römi­schen Reiches. Im Jahre 162 dringen die Chatten erst­mals wieder in die links­rhei­nisch be­setz­ten Ge­biete ein und können nur mit großer Mühe wieder zurück­ge­schlagen werden. Kurze Zeit später, im Jahre 166 wird das ge­samte Römi­sche Reich von der Pest durch­zogen und be­reits 170 fallen die Chatten erneut in die Ge­biete öst­lich des Rheins ein. Auch dieser Angriff kann nur unter großen Mühen zurück­ge­schlagen werden.

Noch können die Römer die Gebiete halten, doch zu Beginn des 3. Jahr­hun­derts be­fin­den sie sich nur noch im offenen Ab­wehr­kampf gegen die vor­drin­gen­den Ger­manen­stämme. Im Jahre 213 durch­brechen erst­mals auch die Ale­mannen den Limes, den sie 20 Jahre später auf breiter Front über­rennen und im Jahre 260 geben die Römer die letzten Kastelle end­gültig auf und ziehen sich hinter den Rhein zurück.

um 300:

Die Alemannen haben sich in unserer Ge­gend zum be­herr­schenden Ger­manen­stamm ent­wickelt und siedeln in der Rhein-Main-Ge­gend. Mit dem Rück­zug der Römer ver­siegen je­doch die schrift­lichen Quellen, die einen ge­nau­eren Ein­blick in das Ge­schehen der da­ma­ligen Zeit geben könnten. So sind wir im Wesent­lichen auf spär­liche Funde aus dieser Zeit an­ge­wiesen, die je­doch nur sehr wenig die nächsten Jahr­hun­derte er­hellen.

zwischen 500 und 700:

Unter König Chlodwig (482 - 511) wird das Franken­reich nach Siegen über die Bur­gunder und Al­emannen (um 500) vereint, und die Gegend Zeils­heims wird frän­kisch. Das Franken­reich wird in einzelne Gaue auf­ge­teilt; die Zeils­heimer Ge­gend wird dabei dem Nidda­gau zu­ge­ordnet.

Der Nidda­gau wird erst­mals ur­kund­lich im Jahre 770 er­wähnt. Er er­streckt sich von der west­lichen Wetterau bis zum Schwarz­bach (Hofheim, Kriftel) und von den Taunus­hängen bis hin­unter zum Main. In diese Zeit fällt die Ent­ste­hung Zeils­heims, das am Rande einer frucht­baren Löss­straße, ver­mut­lich von einem frän­kischen Edel­mann Namens Ciolf, ge­grün­det wurde.

Die Be­nen­nung der Orte er­folg­te gemäß alter frän­kischer Tra­di­tion. So sagt der Name Ciolfes­heim viel über die Ent­stehung des Ortes aus, auch wenn wir keine ge­nauen Schrift­stücke über diese Epoche besitzen. Nach frän­kischem Brauch siedelten sich die Edel­leute mit ihrem Herren­hof (fränkisch: "Heim") in ver­schie­denen Ge­gen­den an und zwangen ihre Knechte, sich auch in dieser Ge­gend nieder­zu­lassen. So ent­stand um den Herren­hof auch eine kleine Sied­lung. Im Laufe der Jahre sie­del­ten sich weitere Menschen hier an und nannten den Ort Ciolfes­heim.

In diese Zeit fällt auch die Chris­tia­ni­sie­rung unserer Ge­gend. König Chlodwig war der erste frän­kische Herr­scher, der sich taufen ließ und zum Christen­tum über­trat; ihm folgten viele Unter­tanen. Die große Chris­tia­ni­sierung er­folgte jedoch erst später durch iro-schot­tische Wander­pre­diger und den angel­säch­sischen Bene­dik­tiner­mönch Boni­fatius, der 732 zum Erz­bischof von Mainz er­nannt wurde.

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Auf dem Ge­lände Alt-Zeils­heim 19-21 be­fand sich einst der frän­kische Herren­hof, der älteste Sied­lungs­kern, die „Keim­zelle” Zeils­heims
(Aufnahme von 1930)

754:

Boni­fatius er­lei­det bei den heid­nischen Friesen am 5. Juni den Märtyrer­tod. Gemäß seinem Willen wird sein Leichnam in das von ihm ge­grün­dete Kloster Fulda über­führt. Der Leichen­zug nimmt seinen Weg ent­lang des Rheins nach Mainz und von dort aus entlang der alten Römer­straße nach Fulda. Dabei führt sein Weg auch durch die Ge­mar­kung Zeils­heims.

794:

Zeils­heim wird als Ciolfes­heim erst­mals in einer Ur­kunde vom 31. Mai ge­nannt:

"Ich, in Gottes Namen, Flan­brecht, schenke dem heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Körper im Kloster Lorsch ruht, dem der ehr­würdige Abt Richbod vor­steht, zum ewigen Besitz und aus freiem Willen im Nidda­gau im Dorfe Ciolfes­heim 1 Hube und 30 Morgen Land und 1 Knecht."

Aus ver­schie­denen anderen Akten er­fahren wir, dass die meisten Ein­wohner des Ortes Bauern oder Leib­eigene sind.

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Text der Originalurkunde vom 31. Mai 794
(siebte Reihe: Ciolfesheim)

830:

In Höchst wird die Kirche zur Hei­ligen Mar­ga­retha (die heutige Justinus­kirche), eine der Haupt­kirchen im frän­kischen Nidda­gau durch Erz­bischof Otgar von Mainz geweiht. Der Erz­bischof über­trägt die Ober­auf­sicht über die Seel­sorge dem Archi­diakonat St. Peter zu Mainz.

In Zeils­heim gibt es noch keine eigene Orts­ge­meinde und auch kein eigenes Gottes­haus. Die Seel­sorge wird durch die in Höchst tätigen Priester und Ordens­leute ge­leitet. Zeils­heims Mutter­kirche ist daher die Kirche zur Hei­li­gen Margaretha.

1090:

Der Main­zer Erz­bischof Ruthard be­auf­tragt das Main­zer Bene­dik­tiner­kloster St. Alban mit der Seel­sorge in Höchst und den an­gren­zenden Orten, darunter auch Zeils­heim. Für ihren zu­sätz­lichen Dienst er­halten die Mönche 90 Morgen Acker­land in Zeils­heim.

1263:

Zum ersten Mal wird ur­kund­lich eine Zivil­gemeinde in Zeils­heim er­wähnt. Zeils­heim be­sitzt zu dieser Zeit neben den Hof­gerich­ten, die für alle den je­wei­ligen Hof be­treffen­den Rechts­an­ge­legen­heiten zu­ständig sind, be­reits schon ein eigenes Dorf­gericht, das über alle niederen Rechts­an­ge­legen­heiten des Ortes Recht zu sprechen hat.

Für alle höheren Rechts­sachen sind die Hoch­gerichte zu­ständig. Zeils­heim fällt dabei in den Bezirk des Hoch­gerichtes König­stein.

1384:

Zum ersten Mal wird ur­kund­lich eine Kapelle in Zeils­h­eim er­wähnt. Dieses wohl erste Gotteshaus war der Hl. Gertrud geweiht und hatte als wesent­liches Merkmal einen dem Hl. Bartholomäus ge­weihten Altar sowie einen eigenen Fried­hof.

Über den Bau dieses ersten Gottes­hauses – vermutlich eine Holz­kon­struktion – ist nichts über­liefert. Da in der Ur­kunde jedoch seine Lage an der "Kirch­gasse" (heute Alt-Zeils­heim) be­schrie­ben wird und außer­dem 2 Kirchen­rechner er­wähnt werden, kann man davon aus­gehen, dass die dort ste­hende Kapelle be­reits damals ein hohes Alter besaß und ver­mutlich im 12. Jahr­hun­dert er­baut wurde.

In der Ur­kunde wird weiter­hin er­wähnt, dass eine Else von Zeilß­heym ihre Lände­reien an die "Capelle zu Zylss­heim" ver­pfändet und mit einer jähr­lichen Ab­gabe von 6 Maltern Korn an die Mönche des Klosters St. Alban einen monat­lichen Gottes­dienst in Zeils­heim fundiert.

Die Ab­gaben werden nach 1400 durch die Zivil­gemeinde um 3 Malter erhöht, um alle 14 Tage einen Gottes­dienst in Zeils­heim zu er­mög­lichen. Diese "Caplaney­stiftung" garan­tiert den Zeils­heimern eine rege­lmä­ßige gottes­dienst­liche Be­treuung.

1400:

Kur­mainz ver­pfän­det die Vog­tei Hof­heim, zu der die Orte Hatters­heim, Hof­heim, Krif­tel, Marx­heim, Müns­ter, Sind­lingen und Zeils­heim gehören, für 10.000 Gulden an die Graf­schaft Falken­stein. Dabei legt es aus­drück­lich den Rechts­vor­behalt einer Wieder­ein­lö­sung der Pfand­summe fest, der auch in allen fol­gen­den Ver­trägen aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben wird.

1419:

Erz­bischof Johann II. hebt das Albaner­kloster in Höchst auf; Kirche und Kloster­gut fallen an den Erz­bischof. Die kirch­lichen Dienste werden von Welt­geist­lichen über­nommen. Ein "Früh­messner" wird ver­pflich­tet alle 14 Tage Gottes­dienst in Zeils­heim zu halten, sowie Kinds­taufen und Be­erdi­gungen im Ort selbst vor­zu­nehmen.

1432:

Die alte Gertrudis­kapelle wird ab­ge­rissen und an ihrer Stelle eine neue Kapelle – dies­mal aus Stein – er­rich­tet. Das neue Gottes­haus wird dem Hei­li­gen Bartholomäus ge­weiht und be­sitzt be­reits einen Turm mit 2 Glocken. Der Altar der alten Kapelle wird auch in das neue Gottes­haus über­nommen. Fast 400 Jahre stand diese Kapelle ohne wesent­liche Ver­än­de­rungen auf dem "Kirch­berg", um­geben vom "Kirch­hof", der ört­lichen Be­gräb­nis­stätte.

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Ansicht und Grundriss der 1432 in gotischem Stil erbauten Bartholomäuskapelle
(nach einer Rekonstruktion von Jakob Christ)

1441:

Der Main­zer Erz­bischof Dietrich von Er­bach be­ruft wieder Ordens­geist­liche nach Höchst. 12 Antoniter aus dem Mutter­haus Roß­dorf bei Hanau über­nehmen die Seel­sorge der Kirche und der Pfarrei. Die Mönche sind damit auch für die Zeils­heimer Kaplanei und Höfe zu­ständig.

Bis zur Auf­lösung des Ordens 1803 wirken die Antoniter in Höchst und Um­ge­bung als "sozialer Vor­posten" bei der Seel­sorge, im Schul­wesen und in der Kranken­pflege. Viele Antoniter sind nament­lich be­kannt, vor allem Heinrich Oden­thal, der den Zeils­heimern bei der Pest­epidemie 1666 bei­stand, das ver­schollene Kirchen­buch neu an­legte und zurück­liegende Er­eig­nisse nach­schrieb.

1463:

Unter einem Baum auf freiem Felde wird bei Zeils­heim der Zeils­heimer Friede zur Be­en­di­gung der Main­zer Stifts­fehde ge­schlossen.

Die Stifts­fehde war 1459 aus­ge­brochen und hatte schwere Folgen für die Kirche, das Kur­fürsten­tum Mainz und das ganze Heilige Römische Reich. Mainz hatte zwei Erz­bischöfe, die Anspruch auf den Bischofs­stuhl erhoben: Adolf II. von Nassau und Diether von Isen­burg. Die Fehde wurde mit großer Härte und brutaler Gewalt ausgetragen. Am 28. Oktober 1462 hatte Adolf II. Mainz im Hand­streich ge­nommen. Alle An­hänger Diethers, darunter auch der Er­finder der Buch­druck­kunst, Johannes Guten­berg, mussten die Stadt ver­lassen.

Am 5. Oktober einigen sich die beiden streitenden Parteien in Zeils­heim und be­enden ihre Feind­selig­keiten.

1465:

Die Pfand­schaft der Vogtei Hof­heim geht von der Graf­schaft Falken­stein auf die Graf­schaft Epp­stein über. 1487 wird diese Pfand­schaft auf die doppelte Summe (20.000 Gulden) er­höht.

ab 1517:

Mit dem An­schlag der "95 Thesen gegen den Ablass" an die Türen der Schloss­kirche von Witten­berg durch Martin Luther am 31. Oktober 1517 be­ginnt in Deutsch­land eine Epoche, die g­eprägt ist von der Glaubens­spaltung und kriege­rischen Aus­ein­ander­set­zungen.

An­fäng­lich von Luther nur als Protest gegen die Miss­stände in der katho­lischen Kirche ge­dacht, ver­selb­ständigt sich die Be­wegung, und es kommt 1519 zum Bruch mit Rom. Es be­ginnt die Zeit der Reformation.

Zeils­heim bleibt hier­von weit­gehend un­be­rührt und als kur­main­zisches Dorf katholisch.

1535:

Die Pfand­schaft der Vogtei Hofheim fällt in Erb­folge an die Graf­schaft Stol­berg-Orten­burg. Da die Grafen von Stol­berg zum Pro­tes­tantis­mus kon­ver­tier­ten, müssen auch alle Ein­wohner der Vogtei Hofheim zum Pro­tes­tan­tis­mus über­treten. Die Zeils­heimer leisten dem Befehl zwangs­läufig Folge, und Zeils­heim wird damit ein evan­ge­lischer Ort.

1546 / 1547:

Die Religions­strei­tig­keiten zwischen dem katho­lischen Kaiser und den evan­ge­lischen Reichs­fürsten er­leben im Schmal­kal­dischen Krieg einen ersten Höhe­punkt, als die Mit­glieder des Schmal­kal­dischen Bundes versuchen, die Religions­frage mit Gewalt zu lösen.

Zeils­heim ist von den Aus­ein­ander­set­zungen auch be­troffen, als die pro­tes­tan­tischen Armeen Mainz und Frank­furt be­lagern und um­lie­gende Dörfer, so auch Zeils­heim brand­schatzen.

Der Krieg führt je­doch zu keinem Er­folg für eine der beiden Seiten und im Augs­burger Religions­frieden von 1555 wird der Status Quo an­er­kannt. Eine der wichtigsten Be­stim­mungen des Augs­burger Friedens ist die Re­ge­lung des Religions­be­kennt­nisses (cuis regio – eius religio), wonach alle Unter­tanen den Glauben des Landes­herren an­nehmen müssen; ledig­lich in den Freien Reichs­städten herrscht Religions­freiheit.

1565:

Dem Main­zer Kur­fürsten Daniel von Hom­burg ge­lingt die Ein­lösung der Pfand­schaft über die Vogtei Hofheim. Zeils­heim muss 44 Gulden 20 Albus und 5 Pfennig zur Zahlung der Pfand­summe bei­steuern. Damit ist Zeils­heim end­gültig ein kur­main­zisches Dorf. Alle Ein­wohner treten nach der Ein­lösung der Pfand­schaft wieder zum Katho­li­zis­mus über.

Im Rahmen einer Gebiets­reform wird das Amt Hofheim mit dem Amt Höchst zu einem Ober­amt ver­einigt. Sitz des Ober­amtes wird Höchst, Hofheim bleibt Amts­sitz.

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Amt Hofheim mit den dazugehörigen Dörfern um 1600

1609:

Die Schult­heißen im Kur­fürsten­tum Mainz werden dazu auf­ge­fordert, die orts­an­sässige Be­völ­ke­rung auf-zu­listen. In Zeils­heim wohnen 24 Familien und ins­gesamt 100 Personen.



Verfasser:

Alexander von Janta Lipinski

Quelle:

Vollert, Adalbert:
Zeilsheim - Ein Frankfurter Stadtteil in alter und neuer Zeit (Herausgegeben von der Frankfurter Sparkasse von 1822)

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1, 24. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990

Kinder, Hermann; Hilgemann, Werner:
dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 2, 28. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994